Founder Talks - der Podcast

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00:00:03:

00:00:14: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Founder Talks.

00:00:18: Mehr als jede zweite Frau trägt laut Studien den falschen BH, für Linda Durisch ist das kein individuelles Problem sondern ein Systemfehler der Modeindustrie.

00:00:29: Mit MYNE hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Matthias Durisch ein Schweizer Fashion-Tech-Startup gegründet, das BHs nicht mehr in Standardgrößen denkt sondern auf Basis eines KI gestützten Smartphone Scans individuell konstruiert und on demand in Europa fertig.

00:00:49: Das Ergebnis keine Standardgröße, keine Lagerbestände und kaum Retouren!

00:00:55: Und der Anspruch Kleidung künftig grundsätzlich vom Körper herzudenken.

00:01:01: Im Founder Talk spreche ich heute mit Linda Durisch von MYNE über Komfort, Technologie, Nachhaltigkeit, Skalierung die Gründung als Paar und darüber warum MYNE nicht nur Unterwäsche verkaufen will, sondern einen neuen Standard für individualisierte Begleitung setzen möchte.

00:01:23: Hallo Linda schön dass du Zeit für den Founder-Talk hast.

00:01:28: Ich habe mega cool das geklappt hat.

00:01:30: Danke, dass ich da sein darf!

00:01:32: Okay klasse.

00:01:33: Lass uns doch bitte gleich einsteigen.

00:01:37: MYNE spricht man das aus?

00:01:39: MYNE...

00:01:40: Ist korrekt ja.

00:01:41: MYNE when it's made for me it's mine.

00:01:43: Das war die Idee dahinter.

00:01:44: Ok

00:01:45: alles klar.

00:01:46: MYNE verspricht nicht weniger als eines der ältesten Systeme der Modeindustrie zu hinterfragen standardisierte BH Größen.

00:01:55: Bevor wir gleich über Technologie, KI und Skalierung sprechen zuerst die Frage: was ist MYNE?

00:02:02: Und wie erklärst du mein jemanden der eure Produkte noch nie gesehen hat?

00:02:07: Ist MYNE eher ein Lingerie-Brand, einen Fashion-Tech-Startup oder eine Plattform für individualisierte Bekleidung?

00:02:18: MYNE ist eine BH Marke bei der du ganz bequem von zu Hause mit einem KI-Scan deinen maßgefertigten BH bestellen kannst.

00:02:29: Somit sind wir eine BH-Marke, nutzen aber ganz viel Technologie um das möglich zu machen und damit sind wir auch einen Fashion-Tech Startup Und zeigen jetzt eigentlich anhand des BHs, wie man die Bekleidungsindustrie neu denken kann und verändern kann.

00:02:47: Somit sind wir auch in Zukunft eine Plattform für individualisierte Begleitung.

00:02:52: Also somit alles drei, was du gefragt hast, Holger?

00:02:57: Du sagst sinngemäß viele Frauen glauben ihr Körper sei das Problem.

00:03:01: dabei funktioniert schlicht das System nicht.

00:03:03: Du hast es ja gerade auch schon gesagt, das soll ja dann später auch mit Individualisierung auf andere Begleitungsstücke transferiert werden in irgendeiner Art und Weise.

00:03:13: Aber viele denken, ich bin zu klein, zu dick

00:03:16: usw.,

00:03:20: warum funktioniert das System nicht?

00:03:22: Und was meinst du damit konkret?

00:03:27: Tatsächlich ist es so, dass aufgrund von der Industrialisierung die BH-Marken oder die Bekleidungsindustrie natürlich immer mehr Richtung Margenoptimierung entwickelt hat und somit auf Grund von Standardgrößen und Maßtabellenbekleidung immer weiter optimiert hat darauf.

00:03:45: Und das hat aber zur Folge, dass letztendlich nur zwölf Prozent von allen Frauen eine Standardgrösse entsprechen Und viele Frauen wissen das aber gar nicht oder die gehen dann in den Laden und es passt alles nicht.

00:04:00: Dann denken sie, Sie sind das Problem und so wird einem auch mit Marketing suggeriert.

00:04:07: Das ist für uns mit Anlass, um da mal Veränderungen in den Markt zu bringen.

00:04:13: Du bist guter Hoffnung, dass ihr die Veränderung auch tatsächlich schafft.

00:04:17: Der eigentliche Systemfehler ist doch die Größenlogik insgesamt in der industriellen Massenproduktion?

00:04:24: Ja und das Optimieren oder aufgrund von... Das Optimieren eigentlich immer, sagen wir mehr rausholen bei weniger Größen.

00:04:38: Also jetzt vor kurzem ist wieder ein BH-Brand rausgekommen mit einem BH in den Größen S, M, L, XL und angesichts dessen, dass es kein Körper dem anderen gleich für alle unterschiedlich sind im Umfang der Größe.

00:04:57: Und dann noch die dreidimensionale Brust dazu kommt, oder?

00:05:01: Kann das System irgendwie nicht aufgehen?

00:05:06: ist total einleuchtend.

00:05:07: Was ist denn jetzt eure Vision?

00:05:09: Wie wollt ihr das ändern, diese industrielle Standardisierung?

00:05:14: geht es darum den perfekten BH zu bauen oder darum die Art zu verändern wie Kleidung künftig grundsätzlich entsteht.

00:05:23: Wie wollt Ihr daran gehen?

00:05:27: Das Ziel ist der perfekte BH, das perfektes Produkt für jede einzelne Person.

00:05:35: Um das hinzubekommen, haben wir die Produktionsprozesse und Einkaufsprozese komplett von Grund auf neu gedacht.

00:05:43: Das heißt nicht in Maßtabellen, sondern wir denken in Daten getriebenen Sätzen.

00:05:50: wie sind Körperform?

00:05:52: Und wie muss man eine Produktion entsprechend so gestalten dass man BHs produzieren kann in Einzelanfertigung, dass es aber auch wirtschaftlich interessant ist.

00:06:04: Nimm mich doch mal mit durch den Prozess.

00:06:06: Eine Kundin kommt auf die Website, was passiert dann von der Bestellung bis zur Lieferung?

00:06:12: Wie läuft das ab?

00:06:15: Also du kannst heute bei uns auf den Shop gehen und dir dein Wunschmodell aussuchen und dann wirst Du eigentlich direkt auch schon gefragt, Du Deinen Profil erstellen möchtest also deinen Körperprofil.

00:06:27: Und das machst Du indem Du auf einem Button klinkst und dann öffnet sich ein kleines Fenster und Du wirst Schritt für Schritt durch diesen Scan-Prozess geleitet.

00:06:37: Dafür bist du am besten zu Hause an einem privaten Ort, wo du dich auch auf Unterwäsche ausziehen kannst oder sehr eng anliegende Kleidung.

00:06:49: Das ist im Büro meistens nicht möglich und dann ist es so dass du erst mal durchgeführt wirst.

00:06:57: Du musst ein paar Fragen beantworten wie groß du bist, wie alt du bist?

00:07:00: Wie schwer du bist was du für eine BH Größe heute ungefähr trägst.

00:07:06: Dann kommst du in den Bereich, da musst du Bilder auswählen und dann geht es eigentlich direkt schon in den Scan-Prozess.

00:07:12: dafür musst du einfach dein Handy an die Wand am Boden stellen drei Schritte zurück machen dich einen Unterwäschel davor einmal im Kreis drehen und dein Gesicht wird direkt geblört der Hintergrund wird gelöscht Und diese Aufnahmen, die daraus entstehen werden anonymisiert also ohne deine Identität verarbeitet und dann kommen weit über hundert Körperdaten wieder zurück, die dann in deine individuelle BH-Datei übersetzt werden.

00:07:41: Wow!

00:07:42: Hört sich sehr anspruchsvoll an, muss ich ehrlich

00:07:45: zugeben.

00:07:46: Tatsächlich sind die Prozesse im Hintergrund natürlich sehr komplex, aber der Scanprozess selber, den haben wir so einfach wie möglich für die Kunden gestaltet.

00:07:55: also Es ist wirklich super simpel.

00:07:58: Super simpel für die Anwender, für die Kunden.

00:08:00: aber was im Hintergrund läuft ist komplex!

00:08:03: Okay habe ich verstanden.

00:08:06: Ihr bewegt euch mit MYNE in einem sehr persönlichen Bereich - Körperdaten, Passformen und Unterwäsche.

00:08:12: Du hast ja gerade selber gesagt über hundert Daten werden erhoben.

00:08:16: Wie schafft ihr Vertrauen?

00:08:18: Auch

00:08:19: gibt ja auch so etwas wie Datenschutz.

00:08:22: Ja Absolut, das war uns sehr wichtig.

00:08:29: Ich habe immer gesagt ich mache nichts, was ich nicht selber auch machen würde.

00:08:33: und dann Jetzt ist es so.

00:08:36: oder die Daten, also du musst selber nicht nackt sein.

00:08:39: Wir haben es hinbekommen im Scanprozess den so zu gestalten dass unsere, das die Ermittlung der Daten so perfekt ist, dass du nicht naked sein musst und das ist zum Beispiel schon eine Barriere, die ich sehr wichtig finde in irgendwo schweren nackte Brustbilder rum sagen wir die Bilder, die entstehen oder die werden nie mit deiner Identität verknüpft.

00:09:03: Also sie sind an keinem Ort gespeichert mit deinem Namen und genau das Gesicht wird geblurred, der Hintergrund wird gelöscht und das waren alles so Kriterien, die extremst entscheidend sind dafür dass das sicher ist.

00:09:23: Ja, absolut.

00:09:24: Also personenbezogene Daten dürfen eben nicht verknüpft werden.

00:09:27: Das ist ganz klar, weil dann unter Umständen bei einem Hacker Angriff oder so was dann auch ziemlicher Schmuh damit getrieben werden kann.

00:09:37: okay aber jetzt das war praktisch hart und Software die dahinter steht.

00:09:41: aber lass uns doch mal über die Produkte reden die ihr habt und zwar welche Modelle gibt es denn inzwischen bei mein?

00:09:49: Und ja, wie werden die entsprechend angepasst?

00:09:51: Erzähl mal ein bisschen über eure Kollektion.

00:09:55: Also heute gibt es zwei unterschiedliche BH-Modelle bei uns im Shop einmal das Modell Mia und das Model Ella und die auch dann in unterschiedlichen Stärken, einmal plain und einmal ohne Plane.

00:10:10: Beide Modelle unterscheiden sich letztendlich in der Tiefe des Ausschnitts und im Unterbrustband, wie breit die Träger sind und wieder rückengestaltet ist.

00:10:19: Und wie viel Unterstützung von der Seite kommt?

00:10:22: Wir würden Mia tatsächlich eher für eine Frau empfehlen, die eine kleinere Brust hat.

00:10:30: also ich hätte gesagt was man so... von einem C-Körbchen oder kleiner.

00:10:36: Und BH Ella gibt wirklich mehr Halt, also da ist die Brust nochmal kompakter eingepackt und es gibt mehr Seitenunterstützung und die Träger sind breiter gestaltet und somit mehr Support für die

00:10:52: Frau.

00:10:53: Ganz individuell, also Mia und Ella.

00:10:55: was steckt denn hinter den Namen?

00:10:58: Wir haben beide BHs nach unseren Töchtern benannt, Mia und Ella.

00:11:03: Und das soll uns eigentlich täglich daran erinnern, wofür wir das machen.

00:11:07: Also für die nächste Generation an Frauen, die sich nicht mehr in Standardgrößen zurechtfinden müssen!

00:11:16: gelesen in den Informationen, die ich vorab bekommen habe.

00:11:20: Es gibt auch eine Plain Version.

00:11:23: Was sind da die Unterschiede?

00:11:24: Gibt es eine Komfort-Version?

00:11:26: oder wie sieht das Ganze aus?

00:11:28: Wir sagen immer Plain ist butterweich und den spürt man kaum.

00:11:33: Also da merkt man gar nicht dass man einen BH an hat weil der so soft ist.

00:11:39: Und die Ursprungsversion also ohne Plain.

00:11:43: Da ist unser Custom Silicon Frame.

00:11:46: Der ist einfach in doppelter Ausführung im normalen Modell drin und der gibt wirklich Halt- und Support.

00:11:54: Also das ist ein maßgefertigter Bügel, der sich um die Brust schmiegt.

00:11:59: Ihr fertigt auch maßgefertigte Slips an also nicht nur BHs, sondern auch die Slips dazu... Ist das eine Ergänzung zum BH oder schon Teil einer größeren Produktlogik?

00:12:10: Unserem System steht eigentlich, es sind keine Grenzen gesetzt.

00:12:14: In Zukunft wird's auch Bikinis geben.

00:12:16: Es wird die Sport-BHs geben, es wird Still-BHs geben.

00:12:21: also wir denken da schon sehr weit und dass man einen passenden Slip jetzt zum BH als erstes mit anbietet war einfach am naheliegendsten, dadurch das Frauen meistens ihre Unterwäsche in Kombination kaufen

00:12:38: Viele Startups, egal was für Produkte sie erzeugen oder auch andere Unternehmen denken im Produkt nutzen.

00:12:45: Bei euch habe ich aber den Eindruck dass es ganz stark um das emotionale Aha-Erlebnis geht.

00:12:52: Das ist cool!

00:12:52: Endlich mal einer der passt und so weiter... Was berichten denn die Kundinnen, wenn Sie zum ersten Mal einen wirklich passenden BH tragen?

00:13:01: Uns erreichen tagtäglich wirklich wundervolle Nachrichten von den Kundinnen und einer, die mich sehr berührt hat.

00:13:06: Zum Beispiel die von der neunachtzigjährigen Frau, die gesagt hat jetzt hat sie ihr Leben lang nach dem perfekten BH gesucht und bis dahin eigentlich nicht gefunden.

00:13:16: Und jetzt ist sie so alt oder jetzt kommen wir mit mein um die Ecke?

00:13:20: Jetzt hat sie endlich einen BH gefunden, der ihr wirklich passt.

00:13:25: Ja, das ist natürlich eine der schönsten Rückmeldungen die man als Gründer bekommen

00:13:30: kann.

00:13:30: Und die Kundin endlich mit neunundachtzig hat sie lange warten müssen bis es so weit ist.

00:13:38: Ihr macht auch eine Warbe-Kampagne habe ich gesehen, die heißt Same White Always Different.

00:13:43: was steckt hinter der Idee dieser Kampagne und wo kann man die denn sehen?

00:13:48: Läuft im Fernsehen oder im Kino?

00:13:50: oder wie läuft das?

00:13:53: Leider sind wir noch nicht so groß, dass wir uns Fernsehwerbung leisten können.

00:13:57: Aber man sieht sie natürlich bei unserem Shop und auch auf unserem Instagram-Kanal.

00:14:03: Da geht es letztendlich darum, das wir einen weißen BH geluncht haben und darauf aufmerksam machen wollten, dass dieser BH wirklich für jede Frau individuell gefertigt wird weil wir alle individuell sind.

00:14:19: also wir sind alle anders Und es gibt nicht eine Person, die der anderen gleicht.

00:14:26: Es ist zwar das gleiche Weiß vom BH, aber dieser BH ist für jede Frau individuell gemacht und lässt jeder einzelne entsprechende Strahlen.

00:14:36: Wenn das kein Argument ist ... Richtig toll!

00:14:41: Aber jetzt kommen wir mal zu euch als Unternehmen.

00:14:43: Du

00:14:44: hast bereits rund fünfzehn Jahre dich mit Passformtechnologie beschäftigt.

00:14:50: Warum ist mein denn genau jetzt entstanden?

00:14:53: Was war der Auslöser?

00:14:55: Heute stehen wir an einem Punkt, dass die Technologie so weit ist, das es dem möglich macht.

00:15:02: Also ich habe vor fünfzehn Jahren schon meine Masterarbeit zu dem Thema geschrieben und das Ergebnis meiner Masterarbeit war, dass es nicht möglich ist Bodiescanner waren zu teuer und zu groß.

00:15:17: Man konnte das individuelle Empfinden von jeder Frau noch nicht in Datensätze perfekt umwandeln, da stehen wir heute mit KI und Scan-Technologien mit dem Handy an einem ganz anderen Punkt, dass genau diese ganze Problematik, die vor fünfzehn Jahren noch war auch heute technologisch gelöst wurde möglich wird.

00:15:41: Und als ich die Erkenntnis hatte, dass wir das wieder an einem neuen Punkt stehen auch mit Robotikproduktionen was wir heute für unsere BHs verwenden haben.

00:15:55: ja haben mein Mann und ich beschlossen das machen wir jetzt.

00:15:58: Ja du sprichst es gerade schon an ihr gründet als Ehepaar oder ihr habt als ehepaare gegründet ist das eher ein Vorteil weil man sehr eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet Eine besondere Herausforderung, weil ihm es schwierig ist private Dinge von geschäftlichen Dingen dann auch mal zu trennen.

00:16:20: Wir werden da sehr oft darauf angesprochen und die Aussagen sind dann auch Gott mit meinem Partner könnte ich niemals zusammen Arbeit oder Unternehmen führen.

00:16:30: Und Matthias und ich, wir haben uns damals auf der Arbeit kennengelernt.

00:16:35: Wir wissen dass wir sehr gut miteinander funktionieren.

00:16:38: Wir ergänzen uns aber wir haben auch eine gleiche Denkweise und Einstellung zur Arbeit.

00:16:46: und das wir wissen, dass wir gut miteinander arbeiten können.

00:16:52: Daraus ist eine Freundschaft entstanden und irgendwann haben wir gemerkt, Ja, somit die Arbeit stand eigentlich immer an erster... Die Arbeit war zuerst dann die Freundschaft.

00:17:04: Dann die Liebe und das war für uns eine gute Basis um das Ganze entsprechend so anzugehen.

00:17:10: Also man sagt ja Gründung zusammengründen ist eigentlich wie ein Heirat.

00:17:15: von daher haben wir schon ausprobiert und es klappt!

00:17:19: Auch bei anderen Gründungsteams höre ich auch immer wieder.

00:17:24: Letztendlich man macht fast schon Ehevertrag, wie man zusammen unternehmen gründet und entsprechend ist es natürlich eine sehr, sehr enge Kombination.

00:17:34: jetzt zu eurem Standort.

00:17:35: Wie man hört bist du keine Schweizerin aber euer Mein hat den Standort in Graubünden.

00:17:43: Das sind Ostschweiz, vor allem die das nicht wissen.

00:17:46: Welche Rolle spielt dieser Standort für das Unternehmen?

00:17:50: Ist Graubünden für Fashion-Tag-Startups eher ungewöhnlich oder geradezu ein Vorteil in der Schweiz zu gründen?

00:17:57: Was ist da deine Einschätzung dazu?

00:17:59: Ich bin ursprünglich Münsterländerin, aber ich lebe mit meinem Mann schon seit zwölf Jahren jetzt in der Schweiz und er hat seine Wurzeln in Graubünden sitzen.

00:18:09: Das war für uns mit einem Gründer, in Graubünden zu gründen.

00:18:14: Und wir sehen da sehr viel Potenzial.

00:18:18: auch wenn man überlegt vielleicht zukünftig eine Produktion von MYNE an den Standort zu ziehen, wäre Graubünden da perfekt geeignet.

00:18:27: und tatsächlich haben wir da auch spannende Förderungsmöglichkeiten gesehen die uns geholfen haben mein ins Leben zu rufen.

00:18:36: Und Graubünden, nähe zu Österreich, Nähe zu Deutschland ist ja auch schon mal für den deutschsprachigen Raum ganz vorteilhaft letztendlich.

00:18:45: Genau so hast du gerade schon angesprochen.

00:18:47: Gute Fördermöglichkeiten in Graubünden?

00:18:50: Wie sehen die aus?

00:18:52: Lass doch mal die anderen dran teilhaben!

00:18:55: Wir haben eine ganz tolle Stiftung gefunden in Graubünden, die uns den Start von MYNE ermöglicht hat und auch so dass wir die ersten Mitarbeiter einstellen konnten Und das hat uns stark geholfen, MYNE jetzt an den Punkt zu bringen wo wir sind.

00:19:14: Das alleine hat definitiv geholfen und dann haben wir auch auf Partnerschaften gesetzt.

00:19:20: also wir haben eine starke Partnerschaft mit der Produktionstätte eingegangen und haben entsprechende Zusammenarbeit gefunden und Regelungen, wo man gemeinsam in die Zukunft blickt Und da eine Win-Win Situation.

00:19:35: Ich glaube, wenn man es schafft, eine Winwin-Situation für alle Beteiligten zu kreieren dann hat man sehr schnell viele Leute mit onboard.

00:19:43: Aber du hast gerade schon gesagt die Produktion und dann hast Du vorhin Personal gesprochen?

00:19:47: Ihr habt Personal ein Startup mit KI Scanning, algorithmischer Schnittkonstruktion, automatisierter Produktion.

00:19:56: das klingt eigentlich wahnsinnig kapitalintensiv.

00:20:00: Wie habt ihr es geschafft, hier Kapital aufzutreiben.

00:20:04: Du hast gerade schon von Partnerschaften, von Win-Win Situation gesprochen.

00:20:08: Gab es da irgendwie auch noch große Bankgespräche und andere Investoren die da eingestiegen sind?

00:20:14: Wie war das bei euch?

00:20:16: Bankgespräche sind wenn man nicht gerade irgendwelche Werte im Hintergrund hat oder die für einen Bürgen dann sind Bankgespräche eher ernüchternd als Startup.

00:20:29: also die haben uns leider nicht weiter geholfen.

00:20:32: Tatsächlich ist es so, wir haben eine Stiftung gefunden die uns das erste Startkapital gegeben hat und damit konnten wir unsere Konzept bestätigen und die Anfangsphase gestalten.

00:20:47: Wir haben auch sehr viel aus eigener Kraft gemacht.

00:20:49: also wir sind technologisch mit meinem Mann und ich selber sehr gut aufgestellt haben sehr viel in Eigenleistungen auch gemacht und entsprechend die Produktion mit onboard geholt, die halt den ersten Prototypen und Co.

00:21:08: mit in die Vorfinanzierung gegangen ist.

00:21:12: Sitz das Produktionsunternehmen dann auch bei euch um die Ecke in Graubünden oder habt ihr da lange Wege?

00:21:19: Technologisch ist es ja heute alles mögliche.

00:21:22: Wir produzieren heute am Standort Kroatien Was für den europäischen Markt natürlich perfekt ist, weil der Standort Graubünden hat heute noch den Nachteil.

00:21:33: Dass wenn man in Europa beliefern will die Zölle ein bisschen im Weg stehen.

00:21:37: Genau von daher jetzt zum jetzigen Zeitpunkt für die Frühphase wo unser Unternehmen auch von den entsprechenden Mengen steht macht der Standort Kroatien absolut Sinn, um in Europa zu wachsen.

00:21:51: Weil wir sehen uns als internationales Unternehmen und starten so.

00:21:57: Aber tatsächlich ist es so, dass die Robotikproduktion, die wir haben im Prinzip als kleine Units auch weltweit an diversen Standorten stehen kann.

00:22:09: Also wir haben große Pläne und große Ziele.

00:22:13: Ja genau!

00:22:13: Große Plänen, große Zielen.

00:22:15: du sagst das jetzt gerade schon.

00:22:16: bei Startups steht immer das große Wort Skalierung auf der Tagesordnung aber Ihr macht eine sehr individuelle Lösung.

00:22:26: Praktisch jedes Produkt ist tendenziell anders, das ist ja relativ schwer skalierbar.

00:22:33: Was macht MYNE hier damit man dann trotzdem skalieren kann international?

00:22:39: Die Fashionindustrie hat heute das große Problem der Retouren und auch der Vorproduktion, dass man im Prinzip heute schon produzieren muss und gar nicht weiß, was man morgen verkauft.

00:22:52: Das heißt, viel Ware liegt, ist festsitzendes Geld oder was mit Ware an Lager liegt.

00:23:01: Oder halt unverkauft bleibt oder sagen wir letztendlich nicht mehr rentabel, weil die Retouren so häufig zurückkommen oder dass man letztendlich gar keinen Gewinn mehr am Produkt hat.

00:23:11: und da setzen wir an.

00:23:13: also unsere on-demand Produktion ist vielleicht etwas, das die Produktion selber angeht, mit Robotik zwar optimiert, aber natürlich immer noch teurer als würde man jetzt in riesigen Mengen in Asien produzieren.

00:23:29: Aber wir haben halt da Einsparungen, dass wir keine Lagerbestände haben, wir haben keine Überproduktion und wir müssen Waren nicht vernichten.

00:23:36: Und somit sind wir wirtschaftlich gesehen interessant.

00:23:42: Das bedeutet ihr verkauft eure Produkte letztendlich immer über Online oder Webshop.

00:23:50: Also es ist nicht geplant, den Vertrieb dann auch über Einzelhandelspartner oder solche Möglichkeiten zu realisieren?

00:24:00: Ja?

00:24:01: Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir in ein reines E-Commerce Business, was wir uns vorstellen könnten werden Partnerschaften oder Pop-Up Stores in naher Zukunft um das Produkt auch fühlbar zu machen.

00:24:15: Da merken wir, da ist die größte Hemmschwelle oder ein maßgefertigtes Produkt online zu bestellen was du eigentlich noch gar nicht in der Hand gehabt hast.

00:24:23: also da sind wir im Moment stark von Weiterempfehlungen abhängig.

00:24:28: Genau und es wird es natürlich einfacher machen oder wenn man eine Anlaufstelle hat, wo sich die Frauen entsprechend das Produkt mal anschauen können oder anfassen.

00:24:37: Von daher ist das definitiv ein Thema über das wir gerade näher diskutieren wie wir das realisieren können.

00:24:44: Aus meiner Sicht ist es ja dann auch notwendig, dass dann praktisch diese Pop-up Stores oder so dann auch Buddy Scanner haben damit man doch die Bestellung auslösen kann.

00:24:53: Also, dem Bodyscanner hat ja jeder in seinem Handy.

00:24:56: Du brauchst eigentlich ... hat jeder also egal... Wir könnten uns auch im Café treffen und ich kann dir da erklären wie du das mit deinem Handy machen kannst.

00:25:06: Von daher braucht es der Pop-up selber.

00:25:08: Im Prinzip hat der Pop up Store in dem Sinne natürlich einen Handyscan vor Ort.

00:25:15: Wie ist das mit Marketing?

00:25:16: Die Kunden kaufen ja erst Produkte, wenn sie Vertrauen in das Produkt haben und für jedes neue Unternehmen ist es natürlich eine Herausforderung, Vertrauen aufzubauen.

00:25:27: Wie läuft das bei euch?

00:25:28: Wie schafft ihr das, dass die Kunden zu euch kommen?

00:25:36: Die Neukundenakquise ist im Moment unser größter Pain-Point, würde ich sagen.

00:25:39: Also damit struggeln wir am meisten, weil man muss das dem Ball ins Rollen kriegen, oder?

00:25:47: Und die ersten Schritte haben wir eingeleitet, indem wir einen Refill-Programm also ein weiter Empfehlungsprogramm eingeleitet haben

00:25:58: etc.,

00:26:00: aber ja wenn man nicht riesige Gelder an Marketingbudget zur Verfügung hat, wird das der härteste Weg den wir jetzt vor uns haben.

00:26:11: Absolut und da schließt sich gleich meine nächste Frage an. Letztendlich hast du sie schon ein Stück weit vorweg genommen.

00:26:19: Was war denn die größte Herausforderung bisher beim Aufbau von MYNE?

00:26:23: welche große Hürde gab es technologisch produktionstechnisch kommunikativ, also hier sind wir bei Marketing oder auch mental für euch.

00:26:33: Gibt es denn Stellen in den letzten Monaten Jahren wo ja schon fast wieder dabei war zu sagen ne das funktioniert nicht?

00:26:44: Also die größte Hürde ist sicherlich dadurch, dass wir das was wir gerade aufbauen, gibt es so heute noch nicht.

00:26:54: Das heißt, keiner sucht nach uns oder keiner gibt jetzt im Internet ein, zeigt mir mal einen maßgefertigten BH.

00:27:05: und wenn die Frauen nur nach BH suchen dann findet man uns im Moment natürlich noch nicht weil es sehr große etablierte BH-Marken geben, die das Wort BH definitiv im Netz besetzt haben.

00:27:19: Das heißt, Frauen müssen wirklich aktiv nach maßgefertigtem BH suchen und dann kommen wir auch an oberster Stelle, weil es das seit so noch nicht gab vorher.

00:27:27: Aber eben die Frauen dahin zu bringen, uns auf dem Schirm zu haben und dann die Hürde zu nehmen, probiert das mal aus.

00:27:36: Das ist im Moment schon sehr hart und auch die größte Herausforderung.

00:27:45: Dann hat man natürlich ganz viele kleine von wegen.

00:27:49: Man hat einen Event geplant und dann werden einem in der Nacht davor die Kühlschränke geklaut oder so.

00:27:53: Und dann denkt man ja, was machen wir jetzt?

00:27:56: Es ist dreißig Grad draußen, aber wir haben warme Getränke.

00:27:59: Also es ist eigentlich jeden Tag oder kommen Probleme auf einen zu, mit denen hat man definitiv nicht gerechnet.

00:28:11: Ja, die von dem man denkt oder das wären die größte Herausforderungen wie zum Beispiel.

00:28:16: Wie funktioniert das mit den Bezahlprozessen im E-Commerce?

00:28:19: Die sind dann irgendwie doch viel leichter als gedacht weil z.B.

00:28:22: Shopify schon eine perfekte Lösung angebunden hat.

00:28:25: Du sagst, dass es ja letztendlich.

00:28:26: Startups zeichnen sich ja besonders durch die Problem-Lösungsfähigkeit aus.

00:28:31: Und das scheint ja bei euch total gegeben.

00:28:33: Das Beispiel mit dem Kühlschrank ist natürlich absolut zutreffend!

00:28:36: Also andere lassen sich da ja schnell aus der Bahn werfen aber ihr sucht einfach nach Lösungen und dann geht es weiter.

00:28:44: Learnings.

00:28:45: Habt ihr Learnings im Umgang mit Kunden oder im Umgang mit Partnern gehabt, die ihr vorher so nicht hattet?

00:28:51: Also wo ihr vorher nicht diesen Einblick hatten wie das Ganze läuft?

00:28:55: vielleicht auch hier noch ein Wort dazu.

00:28:58: Mein Mann und ich, wir sind von Herzen Produktentwickler.

00:29:02: Wir lieben Innovationen.

00:29:03: Das ist auch das, was uns stark macht und auch sehr resilient für den Start-up aufzubauen.

00:29:12: Da wo wir wirklich gestruggelt haben, sind Bereiche, wo wir uns vorher nicht so ausgekannt haben wie zum Beispiel die schreibe ich entsprechende Verträge?

00:29:21: Wie läuft es mit der Finanzierung?

00:29:23: Wie führe ich Investorengespräche?

00:29:26: Das sind alles Themen oder da mussten wir jetzt reinwachsen.

00:29:30: und ich glaube, was uns in dem Moment geholfen hat ist einfach das Vertrauen zu haben.

00:29:36: Dass man alles nachlesen kann und für alles irgendwo eine Lösung findet.

00:29:41: Man muss nur wissen wo und dass das Vertrauen in sich selber ist wie der erste Schritt in die richtige Richtung.

00:29:50: Wenn ihr jetzt noch mal starten würdet?

00:29:52: Was würdet ihr komplett anders machen?

00:29:54: Gibt's da was?

00:29:56: Ich würde mir für mich selber jetzt noch mehr Standfestigkeit in den Glauben meiner eigenen Intuition wünschen.

00:30:12: Aber das war jetzt eine Learning-Phase, die habe ich im letzten Jahr machen müssen.

00:30:17: Weil man bekommt natürlich unheimlich viel Feedback von allen Seiten aus dem privaten Umfeld, von Kunden, von Investoren und von Gesprächen, die man führt auf diversen Events.

00:30:31: Alle meinen sehr gut und geben einem Input.

00:30:35: Ich glaube es ist auch wichtig diesen Input anzunehmen.

00:30:41: Man muss Input auch immer kritisch kurz hinterfragen und nicht direkt in alle Richtungen losrennen.

00:30:51: Weißt du, was ich meine?

00:30:52: Selbstverständlich, klar!

00:30:55: Oft ist so, dass das direkte Umfeld die schlechtesten Berater sind, weil die einen mit den Vorbehalten immer wieder aus der Ruhe bringen oder auch ab vom Weg bringen und da muss man sich schon auf seine eigene Intuition ganz gut verlassen

00:31:10: können.

00:31:10: Genau, die habe ich mir im letzten Jahr jetzt wieder zurückgeholt.

00:31:16: Okay!

00:31:17: Jetzt hast du vorher gesagt, wenn man BH googlet oder irgendwo eingibt... findet man euch nicht.

00:31:25: Aber was du noch nicht gesagt hast, wo findet man euch?

00:31:28: Wie kann man mit euch in Kontakt treten?

00:31:30: Wo findet man die Produkte?

00:31:32: Was ist eure URL im Internet?

00:31:34: Das sollten jetzt aber alle Hörerinnen ja jetzt auch mal wissen.

00:31:41: also unsere Webseite heißt its-myne.com

00:31:49: Der Hintergrund ist, when it's made for me it's mine.

00:31:53: Also its-myne.com ist die Webseite und das ist unser Shop und da findet man unsere Produkte und natürlich auch unsere Kontakte und sonst.

00:32:04: ihr könnt mir auch gerne auf LinkedIn schreiben oder auf Instagram findet man uns auch.

00:32:09: Ja, also ich schreibe ja immer bei den Founder Talks die Shownotes und da gebe ich nochmal die URL ein.

00:32:15: Also die Internetadresse.

00:32:17: dann gebe ich noch mal dein LinkedIn-Profil, wenn du einverstanden bist auch noch unten rein so dass dann die direkte Kontaktaufnahme auch möglich ist.

00:32:28: Für deine Zuhörerinnen Holger haben wir auch noch einen kleinen Vorteilscode, den du gerne in die Kommentare schreiben kannst.

00:32:38: Wunderbar

00:32:39: schreibe ich mit rein!

00:32:40: Linda, dann bedanke ich mich erstmal für das superspannende Gespräch.

00:32:45: Ich hoffe es hat auch für die Hörerinnen und Hörer ein bisschen mehr Wert gebracht.

00:32:54: Ich wünsche euch ganz viel Glück, dass ihr durchstartet.

00:32:57: Hört sich alles schon super professionell an und eigentlich steht dem Erfolg nichts mehr im Wege!

00:33:03: Vielen Dank fürs Gespräch!

00:33:06: Danke Holger, dir noch einen schönen Tag.

00:33:19: Tschüss!