Der Podcast zu den Themen Startups und Existenzgründung - mit Benedikt Brüne und Holger Hagenlocher
00:00:03: Founder Talks – der Podcast zu
00:00:06: den Themen Start-up,
00:00:07: Existenzgründung,
00:00:08: Unternehmensnachfolge und
00:00:10: Innovation.
00:00:14: Herzlich willkommen bei den Founder Talks.
00:00:19: Mein Name ist Holger Hagenlocher.
00:00:22: Heute bin ich mit den Founder Talks zu Gast im
00:00:28: Technologiezentrum Konstanz in den Räumen der Levo GmbH.
00:00:31: Mit Co-Founder und Geschäftsführer Patrick Noël Horstmeier
00:00:35: spreche ich darüber, warum Mehrparteienhäuser die
00:00:38: schlafenden Riesen der Energiewende sind und wie Photovoltaik
00:00:42: auf Mehrparteienhäusern einfacher, wirtschaftlicher und skalierbarer werden kann.
00:00:45: In unserem Gespräch geht es dabei auch um
00:00:48: die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung,
00:00:51: um die Bedeutung der Software
00:00:53: und die Bedeutung starker Partnernetzwerke.
00:00:57: Hallo, Patrick, vielen Dank, dass du Zeit für dieses Gespräch hast.
00:01:01: Hallo, Holger. Ich freue mich, dass ich dabei sein darf.
00:01:05: Patrick, levo beschäftigt sich mit Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern.
00:01:08: Warum ist das überhaupt ein besonderes Problem? Auf Einfamilienhäusern sieht man
00:01:12: PV-Anlagen ja schon relativ häufig.
00:01:15: Ich freue mich immer wieder über diese Frage, denn genau so hat es bei
00:01:20: uns auch angefangen. Die Statistik, die das noch einmal unterstreicht,
00:01:24: was du gerade gesagt hast, ist: In Deutschland ist mittlerweile ein Viertel der
00:01:28: Einfamilienhäuser mit Solaranlagen ausgestattet. Bei Mehrparteienhäusern sind es
00:01:31: immer noch etwa zwei Prozent. Das heißt, da liegt noch ein massives,
00:01:36: ungenutztes Potenzial – sowohl umwelttechnisch als auch wirtschaftlich.
00:01:39: Das war unsere Ausgangsposition.
00:01:41: Ja, du sprichst schon ein sehr großes, ungenutztes Potenzial an.
00:01:45: Ihr sprecht von den „schlafenden Riesen der Energiewende“.
00:01:49: Was macht Mehrparteienhäuser aus eurer Sicht so spannend?
00:01:54: Bei einer Solaranlage ist immer wichtig, wie viel von dem erzeugten Strom man auch
00:02:00: im Gebäude verbrauchen kann. Das ist so ziemlich der wichtigste Punkt,
00:02:03: der definiert, wie wirtschaftlich eine Anlage wird. Dieser Punkt lässt sich bei
00:02:08: Mehrparteienhäusern deutlich stärker optimieren als bei Einfamilienhäusern,
00:02:10: einfach weil mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in dem Gebäude wohnen.
00:02:15: Das bedeutet, dass Mehrparteienhäuser eigentlich die besseren Kandidaten für
00:02:18: Solaranlagen sein sollten. Trotzdem werden diese Anlagen, wie wir gerade gesagt
00:02:22: haben, noch kaum gebaut. Das hat mit administrativem Aufwand und rechtlichen
00:02:27: Schwierigkeiten zu tun. Zusammengefasst erwartet man von PV-Fachbetrieben
00:02:32: plötzlich, dass sie auch Juristen sind, Verträge für ein Gebäude aufsetzen und die
00:02:40: Anlage langfristig betreuen – einschließlich der Abrechnung des PV-Stroms.
00:02:44: All das sind Aufgaben, die ein PV-Fachbetrieb ungern selbst übernehmen möchte.
00:02:48: Und da kommen wir ins Spiel.
00:02:51: Das führt uns zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung. Warum ist sie für euch und
00:02:57: euer Geschäftsmodell so wichtig?
00:02:59: „Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung“ ist ein sehr technischer beziehungsweise
00:03:02: rechtlicher Begriff. Er unterscheidet sich vom Mieterstrommodell, das man
00:03:06: vielleicht schon kennt. Viele werfen diese Begriffe durcheinander, sie gehen aber
00:03:11: auf unterschiedliche rechtliche Grundlagen zurück. Die gemeinschaftliche
00:03:15: Gebäudeversorgung, kurz GGV, ist wichtig, weil sie eine modernere rechtliche
00:03:18: Möglichkeit bietet, die Aufteilung des Stroms in einem Mehrparteienhaus zu
00:03:22: vereinfachen. Sie baut auf europäischer Gesetzgebung auf. Der Blick ins Ausland
00:03:29: verrät uns deshalb schon ein bisschen, wie die Zukunft aussehen kann.
00:03:34: Dort sehen wir, dass dieses Modell das Thema Mehrparteienhaus endlich so einfach
00:03:39: und skalierbar machen kann, dass diese schlafenden Riesen tatsächlich geweckt werden können.
00:03:44: Welche konkreten Vorteile haben Eigentümerinnen und Eigentümer, Hausverwaltungen,
00:03:47: Wohnungsunternehmen und andere Beteiligte, wenn sie mit levo arbeiten?
00:03:49: Was ist euer Produkt, was bietet ihr an?
00:03:54: Hauseigentümer, PV-Fachbetriebe, Immobilienverwalterinnen und andere Beteiligte
00:03:56: kommen häufig mit der Sorge zu uns, dass sie zum Stromlieferanten werden,
00:03:58: wenn sie eine Solaranlage gemeinsam in ihrem Gebäude nutzen.
00:04:03: So war es – etwas karikatural ausgedrückt – beim bisherigen Mieterstrommodell.
00:04:07: Technisch und rechtlich könnte man da sehr in die Tiefe gehen.
00:04:11: Vereinfacht gesagt musste man, um PV-Strom im Gebäude vertreiben zu können,
00:04:17: auch einen gemeinsamen Stromeinkauf für das gesamte Gebäude organisieren und den
00:04:23: aus dem Netz eingekauften Strom anschließend im Gebäude weiterverteilen.
00:04:29: Das ist etwas, was man als Hauseigentümer eigentlich nicht machen möchte.
00:04:33: Man will den eigenen PV-Strom im Gebäude verteilen, aber nichts damit zu tun
00:04:38: haben, wie der Stromankauf und -verkauf organisiert wird.
00:05:11: Idealerweise soll am Monatsende das Geld auf dem Konto landen,
00:05:26: ohne dass man sich viel mit Verträgen und der Abwicklung beschäftigen muss.
00:05:27: Genau diesen Teil übernehmen wir. Wir können das für das Gebäude softwaregestützt
00:05:27: planen, organisieren, umsetzen und im laufenden Betrieb automatisieren.
00:05:28: Die Mieterinnen und Mieter können PV-Strom vom Gebäudeeigentümer beziehen und
00:05:29: gleichzeitig ihren bestehenden Netzstromvertrag behalten. Wenn die Sonne nicht
00:05:29: scheint, beziehen sie ihren Strom weiterhin wie bisher.
00:05:30: Der Eigentümer muss sich um nichts kümmern und erhält am Monatsende die Erlöse aus
00:05:31: dem verkauften PV-Strom.
00:05:31: Das sind deutliche Vorteile, und es vereinfacht natürlich auch die Zusammenarbeit
00:05:36: der verschiedenen Parteien enorm. Du hast mir im Vorgespräch erzählt,
00:05:40: dass ihr mit Baugenossenschaften, privaten Eigentümern von Mehrparteienhäusern und
00:05:43: Wohnungseigentümergemeinschaften zusammenarbeitet. Wie läuft ein typisches Projekt
00:05:47: ab – von der ersten Anfrage bis zum Betrieb der PV-Anlage?
00:05:55: Oft beginnt es damit, dass ein Immobilienunternehmen, eine Baugenossenschaft oder
00:06:00: eine private Eigentümerin beziehungsweise ein privater Eigentümer zunächst nur ein
00:06:02: abstraktes Bild davon hat, dass eine PV-Anlage gebaut werden soll oder muss.
00:06:07: In immer mehr Bundesländern – unter anderem in Baden-Württemberg –
00:06:12: gibt es PV-Pflichten. Wenn ein Dach saniert oder neu gebaut wird,
00:06:18: muss eine Solaranlage installiert werden. Nun gibt es also diesen Bedarf,
00:06:23: und man möchte ihn so wirtschaftlich wie möglich abbilden.
00:06:26: Man kann sich damit entweder an einen PV-Fachbetrieb wenden, der dann häufig
00:06:30: wieder bei uns landet, weil er das laufende Modell der gemeinschaftlichen
00:06:35: Gebäudeversorgung nicht selbst umsetzen möchte. Oder man kommt direkt zu uns,
00:06:39: und wir beraten bei der Umsetzung. Wir haben eigene Simulationsmodelle.
00:06:44: Damit können wir die Daten eines Gebäudes, mehrerer Gebäude oder eines ganzen
00:06:49: Portfolios aufnehmen und sehr schnell beantworten: Wie groß sollte die Anlage
00:06:54: werden? Was kostet sie ungefähr? Welcher Speicher wird benötigt?
00:06:58: Lässt sich E-Mobilität einbinden? Und was verdient der Eigentümer daran?
00:07:03: Im ersten Schritt analysieren wir also das Objekt oder Portfolio und geben einen
00:07:10: Ausblick. Dieser fällt in den meisten Fällen schon sehr positiv aus,
00:07:15: sodass die Beteiligten das Thema weiterverfolgen möchten. Danach organisieren wir
00:07:22: die verschiedenen Akteure, die in der Kette notwendig sind:
00:07:27: den PV-Fachbetrieb, gegebenenfalls die Sanierung von Zählerschränken, den Einbau
00:07:31: von Smart Metern und die Vertragsgestaltung. All das können wir abbilden.
00:07:38: In unserer Software erhält der Kunde eine Übersicht darüber, welche Schritte
00:07:42: gerade laufen, welche als Nächstes kommen – und das auch portfolioübergreifend.
00:07:45: Du sprichst es schon an: Welche Rolle spielt eure Software beim Betrieb der
00:07:52: Anlage? Sie scheint ein wichtiger Baustein zu sein.
00:07:56: Ich unterscheide bei der Umsetzung einer solchen Anlage gern drei Kapitel:
00:08:04: Planung beziehungsweise Analyse, Umsetzung und laufender Betrieb. In jedem dieser
00:08:12: Schritte spielt unsere Software eine zentrale Rolle, weil sie den Aufwand für alle
00:08:17: Beteiligten reduziert. In der Analyse können wir einzelne Gebäude oder ganze
00:08:23: Portfolios mit allen denkbaren Variablen simulieren und sofort eine Auskunft
00:08:30: geben, ohne dass man wochenlang Analysen über Energieberaterinnen und
00:08:33: Energieberater erstellen lassen muss. Bei der Umsetzung kommen ganz praktische
00:08:37: Themen auf: Vielleicht gibt es eine Mieterschaft von 30 Personen,
00:08:42: die alle in das rechtliche Konstrukt eingebunden werden müssen.
00:08:45: Auch das können wir softwaregestützt automatisieren und vereinfachen.
00:08:52: Statt Papierkram herumzuschicken und allen Beteiligten hinterherzulaufen,
00:08:55: übermittelt man uns die Kontaktdaten. Die Personen können sich dann bei uns
00:09:01: registrieren – ähnlich wie bei einer App. Das ist in dreieinhalb Minuten erledigt,
00:09:06: und dann sind sie dabei. Im laufenden Betrieb lesen wir die Zähler aus,
00:09:15: stellen die Rechnungen an die Mieterschaft, ziehen die Zahlungen ein und leiten
00:09:22: die Erlöse an den Eigentümer weiter. Das Ganze lässt sich jederzeit im Portal überblicken.
00:09:27: Das ist also eine recht umfassende Software für jeden Prozessschritt –
00:09:31: im laufenden Betrieb, aber auch schon davor. Bei der Installation und den
00:09:36: Projekten insgesamt arbeitet ihr mit regionalen Handwerksbetrieben und auch mit
00:09:40: Stadtwerken zusammen. Wie wichtig ist dieses Partnernetzwerk für euch?
00:09:44: Wir legen großen Wert darauf, mit dem bestehenden Ökosystem zusammenzuarbeiten.
00:09:48: Dieses Ökosystem ist ein zentraler Punkt unserer Vorgehensweise und unseres
00:09:54: Business Case. Wir haben am Anfang von den schlafenden Riesen gesprochen.
00:10:00: Es geht um Millionen Dächer. Wenn wir diese Millionen Dächer erschließen wollen,
00:10:04: müssen wir die bestehenden Betriebe dazu befähigen, solche Projekte selbst
00:10:09: abzubilden. Deshalb arbeiten wir mit PV-Fachbetrieben, regionalem Handwerk,
00:10:13: Immobilienunternehmen, Stadtwerken und allen anderen Akteuren in der Kette
00:10:18: zusammen. Wir wollen sie nicht ersetzen, sondern befähigen.
00:10:24: Stadtwerke haben wir schon genannt. Wer sollte sich bei euch melden?
00:10:29: Sind es Immobilienbesitzer, Wohnungseigentümergemeinschaften oder
00:10:33: Hausverwaltungen? Oder sind es eher die Handwerksbetriebe? Wer sind eure ersten
00:10:39: Ansprechpartner?
00:10:44: Diejenigen mit dem direktesten Interesse sind natürlich einzelne
00:10:48: Immobilieneigentümerinnen und Immobilieneigentümer oder Immobilienunternehmen.
00:10:49: Meistens bringen sie bereits einen Fachbetrieb mit. Wenn der PV-Fachbetrieb uns
00:10:55: einmal kennt, meldet er sich bei künftigen Projekten dann häufig direkt bei uns.
00:11:01: Für uns ist es vorteilhaft, wenn von Anfang an ein PV-Fachbetrieb in der Kette
00:11:06: dabei ist. Dann können wir unmittelbar über technische Details sprechen,
00:11:10: die für Immobilieneigentümer vielleicht weniger interessant sind. Grundsätzlich
00:11:12: steht unsere Tür aber allen offen. Wer noch keinen PV-Fachbetrieb hat,
00:11:18: dem können wir auch gern einen empfehlen.
00:11:23: Wir haben jetzt viel über die levo GmbH und euer Angebot gesprochen.
00:11:27: Mich interessiert nun, wie du persönlich zum Unternehmertum gekommen bist.
00:11:33: Was begeistert dich an den Themen Energie und Klima, und wie war dein Weg dorthin?
00:11:41: Von meinem Werdegang her bin ich vielleicht nicht das typische Beispiel eines
00:11:46: Unternehmers. Ich habe eher in Richtung Umweltpolitik und rechtliche
00:11:51: Fragestellungen studiert und anschließend mehrere Jahre am französischen Parlament
00:11:56: und in einem französischen Umweltministerium gearbeitet. Ich habe also
00:11:58: gewissermaßen von der anderen Seite des Spiegels an der Rechtslage gearbeitet,
00:12:02: die ich heute in der Praxis umsetze. Der Schritt ins Unternehmertum hatte vor
00:12:09: allem damit zu tun, dass ich etwas Konkreteres machen wollte.
00:12:14: Wenn man in einem Umweltministerium oder Parlament arbeitet, ist man zwar im
00:12:20: Austausch mit den Menschen, die von den Regelungen betroffen sind.
00:12:25: Ich wollte aber auch sehen, wie konkrete Gebäude, Personen und Unternehmen von dem
00:12:31: profitieren, was dort geschrieben wird. Das Thema, an dem ich heute arbeite,
00:12:37: ist ein recht komplexes rechtliches Thema. Ich sage gern, dass mein Job im Grunde
00:12:44: Politik geblieben ist: Ich muss Menschen davon überzeugen, komplexe rechtliche
00:12:50: Themen in ihren Portfolios umzusetzen und ihnen zeigen, dass sie damit auch etwas
00:12:53: gewinnen können. So kam die Frage auf: Was mache ich mit diesem rechtlichen
00:13:01: Hintergrund, damit er in der Praxis Fuß fassen kann?
00:13:05: Dann stieß ich auf genau die Frage, die du am Anfang gestellt hast:
00:13:09: Warum ist Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern überhaupt ein Problem?
00:13:11: Mir ging es genauso. Eigentlich schien PV auf Mehrparteienhäusern ein No-Brainer
00:13:18: zu sein. Die Praxis hat aber gezeigt, dass noch konkrete Hürden überwunden werden
00:13:23: müssen. Die Umsetzung solcher Anlagen verbindet viele Themen:
00:13:29: Man muss Partnerschaften aufbauen, rechtlich einen guten Durchblick haben und
00:13:35: softwaretechnische Grundlagen schaffen. Genau das war für mich spannend:
00:13:38: Ich sah einen Weg, sehr konkrete Projekte voranzutreiben und neue Regulatorik in
00:13:44: die Praxis zu überführen.
00:13:46: Wie kam es dann zur Gründung von levo beziehungsweise der levo GmbH?
00:13:50: Du bist nicht allein, sondern hast Mitstreiter. Wenn ich es richtig verstanden
00:13:56: habe, seid ihr ein sehr französisch geprägtes Team.
00:14:03: Wie habt ihr euch gefunden, warum fand die Gründung in Konstanz statt,
00:14:05: und wann habt ihr gesagt: Okay, wir gründen jetzt gemeinsam ein Unternehmen?
00:14:12: Wir sind im Umfeld mittlerweile als „die drei Franzosen“ bekannt.
00:14:16: Wir sind drei Mitgründer, kennen uns schon länger und haben bereits in früheren
00:14:22: Projekten zusammengearbeitet. Ich hatte, wie gesagt, in Paris politisch an
00:14:28: Umweltthemen gearbeitet. Der Schritt nach Deutschland war vor allem dadurch
00:14:32: bedingt, dass das Thema, an dem wir arbeiten, sehr deutsch ist.
00:14:37: Es geht um präzise Aspekte des Energiemarkts, um Energiepreise und regulatorische
00:14:43: Rahmenbedingungen. Von Anfang an war klar, dass unser Thema nach Deutschland
00:14:48: gehört. Praktisch begann es damit, dass ich damals noch in der Schweiz an der
00:14:56: HSG in St. Gallen weiterstudierte und dort die Idee entstand.
00:15:01: Weil klar war, dass es ein Thema für Deutschland ist,
00:15:05: habe ich den Sprung über die Grenze gewagt und an der HTWG Konstanz verschiedene
00:15:13: Personen angesprochen. Ich wollte wissen, welche Möglichkeiten es gibt, ein
00:15:19: solches Projekt aufzubauen, zu finanzieren und in Prototypgebäuden zu testen.
00:15:26: Hier habe ich ein sehr offenes Umfeld gefunden – sowohl an der HTWG Konstanz
00:15:32: als auch in verschiedenen Kreisen von Unternehmerinnen und Unternehmern in der
00:15:36: Stadt. So sind wir drei Franzosen eher zufällig in Konstanz gelandet,
00:15:41: haben dort aber ein positiveres Umfeld gefunden, als viele vielleicht erwarten würden.
00:15:48: Daran schließen sich gleich zwei Fragen an. Erstens:
00:15:51: Ihr seid ein Gründerteam, und du hast die beiden anderen Gründer noch nicht
00:15:56: genannt. Kannst du ihre Namen nennen und erklären, welche Rollen sie im Team
00:16:11: übernehmen? Zweitens: Was unterscheidet die regulatorischen Rahmenbedingungen in
00:16:16: Frankreich, Deutschland und vielleicht auch der Schweiz? Warum ist Deutschland ein
00:16:20: gutes Land, um eure Lösung an den Start zu bringen?
00:16:30: Sehr gern. Viele scherzen darüber, dass man doch nicht nach Deutschland zieht,
00:16:35: um zu gründen. Darauf komme ich gleich zurück.
00:16:39: Meine beiden Kollegen stelle ich gern kurz vor.
00:16:42: Der erste ist Hugo Louessard – da hört man schon,
00:16:48: wie französisch er unterwegs ist. Bevor er bei levo begann,
00:16:53: hat Hugo Start-ups im Bereich Impact-Finanzierung begleitet. Er hat sie bei
00:17:02: Finanzierungen, Finanzplänen und Impact-Plänen unterstützt. Bei uns führt er diese
00:17:10: Arbeit fort und kümmert sich um Finanzen und Projektführung.
00:17:13: Mein zweiter Kollege ist Antoine Poirrier – auch hier hört man den Franzosen
00:17:19: heraus. Er ist unser Techniker. Zuvor hat er in verschiedenen Bereichen der
00:17:23: Automatisierung, der Raumfahrt und der Agrarautomatisierung gearbeitet. Bei uns
00:17:28: hat er die Software entworfen und verfeinert sie von Tag zu Tag.
00:17:35: Zur Regulatorik: Deutschland ist im europäischen Vergleich ein paradoxes Land.
00:17:46: Einerseits hat es bei der Energiewende einen gewissen Vorsprung gegenüber anderen
00:17:51: Ländern. Andererseits hat Deutschland einen der höchsten Strompreise und zugleich
00:17:56: einen der schmutzigsten Strommixe in Europa, obwohl sehr viele erneuerbare
00:18:00: Energien ausgebaut werden. Beides führt dazu, dass der Druck in Deutschland
00:18:04: besonders hoch ist, erneuerbare Energien auszubauen – und zwar so,
00:18:08: dass sie wirtschaftlich abgebildet und im Rahmen der sich ständig verändernden
00:18:13: Regulatorik zukunftssicher umgesetzt werden können. Diese beiden Punkte –
00:18:17: Wirtschaftlichkeit und regulatorische beziehungsweise ökologische
00:18:19: Zukunftssicherheit – stehen bei uns im Zentrum.
00:18:23: Es ist spannend, dass Standortnachteile Deutschlands dadurch auch zu Vorteilen
00:18:26: werden können. Zur Firmengründung gehört aber immer auch die Finanzierung.
00:18:33: Wie habt ihr euch in der Startphase finanziert?
00:18:37: Da haben wir verschiedene Dinge zusammengebracht. Wenn man sich am Anfang fragt,
00:18:47: ob man tatsächlich gründet, ist Finanzierung natürlich ein sehr wichtiger Teil.
00:18:52: Ebenso wichtig ist aber, die Idee in die Welt zu bringen,
00:18:58: sie zu testen, Feedback zu bekommen und zu merken, dass andere Menschen Vertrauen
00:19:03: in sie setzen. Uns hat sehr geholfen, dass wir unsere Idee bei verschiedenen
00:19:15: Wettbewerben und Veranstaltungen präsentieren konnten. Dabei haben wir gemerkt,
00:19:17: wie viel Traktion das Thema hat – oder auf Deutsch:
00:19:18: wie stark der Markt daran zieht. Deshalb war uns relativ früh klar,
00:19:27: dass wir hier etwas gründen wollen. Praktisch lief die Anfangsfinanzierung über
00:19:32: verschiedene Förderungen. In Deutschland gibt es die bekannte EXIST-Förderung,
00:19:38: über die technologische Innovationen mit Unterstützung von Hochschulen und
00:19:42: Universitäten staatlich gefördert werden können. In Baden-Württemberg gibt es
00:19:47: außerdem das Förderprogramm „Junge Innovatoren“. Diese beiden Förderungen haben
00:19:51: uns durch die ersten eineinhalb Jahre gebracht, bis wir entschieden haben,
00:19:56: tatsächlich zu gründen. Der Transparenz halber: Wir drei hatten vorher bereits
00:20:02: gearbeitet und deshalb auch etwas eigenes Kapital. Wir haben dann direkt eine GmbH
00:20:07: gegründet. In unserem Segment ist das wichtig, weil wir als Vertrauenspartner für
00:20:12: andere Unternehmen auftreten, die uns ihre Immobilien und Portfolios anvertrauen.
00:20:19: Du beschreibst einen fast idealtypischen Weg eines Gründungsteams in den Markt:
00:20:23: Man präsentiert sich bei Pitches und betreibt viel Networking, um die richtigen
00:20:29: Leute kennenzulernen. Trotzdem gab es am Anfang sicher Herausforderungen.
00:20:32: Man wird schließlich nicht als Unternehmer geboren und kennt nicht alle Kniffe.
00:20:37: Was waren eure größten Herausforderungen in der Startphase?
00:20:41: Da hast du vollkommen recht. In den ersten ein oder zwei Jahren lernt man
00:20:48: wahrscheinlich mehr als in jedem anderen Jahr seines Lebens.
00:20:55: Wenn man über das Gründen spricht, sollte man nicht nur die Sterne versprechen.
00:21:00: Gründen ist sehr spannend, öffnet viele Türen und man lernt sehr viel.
00:21:05: Man sollte sich aber auch darüber im Klaren sein, dass es sehr herausfordernd ist.
00:21:12: Ich kenne kein Start-up, dessen Produkt am Ende genau das ist,
00:21:17: was es sich am Anfang vorgestellt hat. Man muss durch verschiedene
00:21:22: Entwicklungsschritte und Anpassungen gehen und viel Anpassungsfähigkeit und
00:21:25: Durchhaltevermögen mitbringen. Bei uns hat zum Beispiel eine regulatorische
00:21:29: Veränderung nach etwa einem Jahr den gesamten Business Case noch einmal überholt.
00:21:37: Als wir uns kennengelernt haben, arbeiteten wir noch stark an Hardware.
00:21:42: Wir haben die Hardware nicht aufgegeben, sie aber zunächst auf eine andere
00:21:47: Prioritätsstufe gesetzt. So etwas kann passieren: Man arbeitet monatelang an einem
00:21:53: Prototyp, und plötzlich ist die Nachfrage nicht mehr dieselbe.
00:22:00: Dann ist wichtig, klar zu bleiben und nicht aufgrund von Pfadabhängigkeit an
00:22:03: demselben Weg festzuhalten. Man muss die Flexibilität mitbringen, sich anzupassen.
00:22:14: Anpassungsfähigkeit ist sicher für viele Start-ups und Existenzgründende wichtig.
00:22:24: Häufig sieht das Produkt oder die Dienstleistung nach anderthalb Jahren anders aus
00:22:28: als ursprünglich geplant. Aber es gab bestimmt auch Fehler, bei denen ihr im
00:22:35: Nachhinein gesagt habt: Das hätten wir besser anders gemacht.
00:22:39: Das gibt es wahrscheinlich bei jedem Start-up. Rückblickend ist es immer relativ
00:22:46: einfach, Fehler zu erkennen. In der jeweiligen Situation trifft man
00:22:50: Entscheidungen, die mit den damals verfügbaren Informationen richtig erscheinen,
00:22:54: und lernt anschließend daraus. Das gehört zum Prozess.
00:23:00: Man sollte deshalb nüchtern darauf zurückblicken. Natürlich gibt es verschiedene
00:23:05: Dinge, die ich heute anders machen würde. Ich würde vielleicht mit etwas weniger
00:23:12: Idealismus und mehr Realismus an die Sache herangehen.
00:23:18: Wir sind in einem Bereich unterwegs, in dem viele Partnerschaften zusammenspielen
00:23:23: müssen. Deshalb ist es wichtig, gute und verlässliche Partner auszuwählen,
00:23:28: Themen mit ihnen klar und transparent anzusprechen und gemeinsame Verträge sauber
00:23:34: zu gestalten. Auch intern braucht man Strukturen, um Projektmanagement, größere
00:23:40: Projekte und komplexe Themen gut zu verfolgen, Termine einzuhalten und das
00:23:45: Qualitätsversprechen nach außen tatsächlich erfüllen zu können. Ein großer Teil
00:23:50: des Gründens besteht aus einer langen Liste sehr langweiliger, kleiner Themen.
00:23:56: Die übersieht man leicht, wenn man als Idealist mit einer großen Vision anfängt.
00:24:03: Wenn ich morgen noch einmal starten würde, würde ich am Anfang stärker darauf
00:24:08: achten und mich nicht sofort in die große Welt stürzen,
00:24:12: bevor einige strukturelle Grundlagen sauber geregelt sind.
00:24:16: Zuverlässige Partner und ein gutes Netzwerk sind auch bei der Kundengewinnung
00:24:20: entscheidend. Du hast erzählt, dass ihr bereits sehr unterschiedliche Kunden habt
00:24:26: – von Wohnungseigentümergemeinschaften bis zu Baugenossenschaften. Wie gewinnt ihr
00:24:29: eure Kunden? Der Wettbewerb schläft nicht. Euer Produkt läuft und hat sich
00:24:36: bewährt. Wie skaliert ihr nun, und wie wollt ihr den Vertrieb flächendeckend ausrollen?
00:24:47: Als junges Start-up muss man ständig Vertrauen aufbauen.
00:24:50: Man kommt mit einem neuen Produkt auf den Markt, ist ein neues Unternehmen und
00:24:56: spricht Menschen an, die einem Gebäude oder sogar ganze Portfolios anvertrauen
00:24:58: sollen. Eine gegründete GmbH allein bedeutet da noch nicht viel.
00:25:08: Vertrauensaufbau hat, wie du schon richtig angedeutet hast, viel mit Netzwerken zu
00:25:15: tun. Ich habe es vorhin ein wenig mit Politik verglichen:
00:25:20: Man braucht Menschen, die einem vertrauen und einen anderen Personen vorstellen.
00:25:26: Diese nehmen dann ein Stück dieses Vertrauens mit.
00:25:30: Daneben braucht man Pilotprojekte, die zeigen, dass man das beherrscht,
00:25:35: was man verspricht. Auch gewonnene Wettbewerbe können Vertrauen schaffen.
00:25:43: Networking bedeutet für mich in diesem Zusammenhang: sich zeigen, erklären,
00:25:47: was man kann, und Belege dafür mitbringen. Das ist am Anfang entscheidend.
00:25:53: Jetzt beginnt eine zweite Phase. Es geht nicht mehr darum,
00:26:00: etwas Neues zu erfinden und zu beweisen, sondern das Produkt so groß zu machen,
00:26:06: dass es einen relevanten Teil des Marktes erschließt.
00:26:10: Wir arbeiten bewusst sehr stark mit Partnern zusammen.
00:26:16: Wenn wir diese schlafenden Riesen flächendeckend wecken wollen, müssen wir das
00:26:21: bestehende Ökosystem aktivieren, statt es neu zu erfinden.
00:26:23: Deshalb bauen wir Partnerschaften mit PV-Fachbetrieben und Messstellenbetreibern
00:26:29: auf. Das können Stadtwerke oder private Unternehmen sein.
00:26:35: Wir wollen alle kritischen Partner, die für die Umsetzung unserer Anlagen
00:26:39: notwendig sind, in unserem Netzwerk haben. Die Partner freuen sich meist genauso
00:26:44: über diese Zusammenarbeit wie wir, weil ihnen unser Teil der Kette fehlt –
00:26:50: und uns ihr Teil. So entsteht eine Win-win-Situation, nicht nur mit den Kunden,
00:26:57: sondern auch mit den Partnern.
00:27:02: Ihr bewegt euch im B2B-Umfeld. Der einzelne Wohnungseigentümer wird also nicht
00:27:06: unbedingt euer zentraler Ansprechpartner sein. Was ist das Besondere am
00:27:12: B2B-Geschäft? Wie lange dauert es, bis Projekte tatsächlich umgesetzt werden
00:27:15: können, und welche Vorleistungen sind nötig? Bei Privatkunden läuft es oft nach
00:27:20: dem Muster: Ich habe ein Problem, rufe jemanden an, und der soll es lösen.
00:27:30: Im B2B-Bereich dürfte das anders sein.
00:27:38: Das siehst du richtig. Unsere Türen sind auch für Privatpersonen nicht
00:27:42: geschlossen. Aktuell freuen wir uns über jedes Projekt, das wir umsetzen können,
00:27:48: und unterstützen die Leute auch aus einem gewissen Idealismus heraus.
00:27:53: Wenn wir das Thema aber skalieren und die Millionen Dächer erschließen wollen,
00:28:01: die darauf warten, müssen wir mit Unternehmen oder Personen zusammenarbeiten,
00:28:04: die mehrere Dächer besitzen. Der Mehrparteienhausmarkt in Deutschland ist deutlich
00:28:09: konzentrierter als der Einfamilienhausmarkt. Mehrparteienhäuser werden
00:28:15: beispielsweise von Investmentfonds oder Immobilienunternehmen gehalten. Viele
00:28:21: Gebäude liegen deshalb in den Händen bestimmter Personen oder Unternehmen.
00:28:26: Bei diesen Unternehmen ist der Vertrauensaufbau noch wichtiger als bei
00:28:31: Einzelpersonen. In der Praxis ist der Lebenszyklus einer solchen Zusammenarbeit
00:28:37: deutlich länger als bei einem Privatkunden. Das ist eine Medaille mit zwei Seiten.
00:28:45: Einerseits muss man Aufwand investieren, um die richtigen Personen zu finden,
00:28:49: das Produkt zu erklären, ihr Portfolio zu analysieren und ihnen früh einen
00:28:53: konkreten Nutzen zu zeigen. Wir sagen im Team gern:
00:29:01: Du musst den Leuten einen Wert mitbringen, wenn du möchtest,
00:29:05: dass sie einen Wert in dir sehen. Deshalb zeigen wir ihnen im ersten Schritt
00:29:11: grundsätzlich den Wert ihres Portfolios auf. Damit haben sie bereits etwas
00:29:16: gewonnen, und wir können auf einer gemeinsamen Basis in die nächsten Schritte
00:29:20: starten. Andererseits bringen solche Akteure häufig gleich mehrere Projekte mit.
00:29:30: Wenn wir unsere Arbeit gut machen – und ich bin einmal so frech und
00:29:37: sage, dass wir sie sehr gut machen –, haben wir die Chance auf mehrere
00:29:43: Objekte und langfristige Zusammenarbeit. Genau das ist das Ziel eines
00:29:50: B2B-Unternehmens wie unseres.
00:29:53: Das ist nachvollziehbar. Vertrauen ist grundsätzlich die wichtigste Währung im
00:29:57: Geschäftsleben – vom Gebrauchtwagenkauf über den Handwerker bis zu langfristigen
00:30:06: Beziehungen zwischen B2B-Partnern. Die Founder Talks sollen Wissen und Erfahrungen
00:30:15: an andere Start-ups und Existenzgründende weitergeben. Ihr bewegt euch in einem
00:30:22: stark regulierten Markt, in dem viele Gesetze und Bestimmungen beachtet werden
00:30:29: müssen. Du hast aufgrund deiner früheren Arbeit im politisch-administrativen
00:30:34: Bereich einen gewissen Vorteil. Was würdest du anderen Start-ups raten,
00:30:38: die ebenfalls in einem regulierten Bereich aktiv sind, dieses Know-how aber nicht
00:30:43: selbst mitbringen?
00:30:44: Das ist eine wichtige Frage. Wenn man in einem regulierten Bereich arbeitet –
00:30:50: besonders in einem Bereich, der sich noch verändert wie unserer –,
00:30:55: sollte man sehr genau darauf achten, was sich künftig verändern kann.
00:31:01: Oft lassen sich regulatorische Tendenzen voraussehen: durch den Blick ins Ausland,
00:31:09: auf die EU-Politik oder auf die Politik im eigenen Land.
00:31:15: Das sind komplexe Themen, die eine gewisse Expertise benötigen.
00:31:22: Wenn ich in einem solchen Bereich starten möchte und nicht alle Kompetenzen selbst
00:31:28: mitbringe – oder selbst dann, wenn ich bereits eigene Kompetenz habe –,
00:31:32: würde ich so früh wie möglich Kontakte zu Personen aufbauen,
00:31:36: die genau in diesem regulatorischen Umfeld unterwegs sind.
00:31:39: Solche Personen gibt es. Es gibt andere Unternehmen, die vielleicht nicht
00:31:44: denselben Business Case haben oder sogar mögliche Partner sind, aber einen
00:31:52: informierten Blick auf die Rechtslage und ihre Entwicklung mitbringen.
00:31:58: Gerade in einem stark regulierten Bereich, der sich noch verändert,
00:32:05: würde ich den Austausch mit diesen Personen suchen.
00:32:08: Meist können beide Seiten voneinander lernen, und daraus entsteht ein konstruktiver Dialog.
00:32:15: Auch hier spielt Partnerschaft wieder eine große Rolle.
00:32:21: Ein anderes Thema, das viele Start-ups und Existenzgründende beschäftigt, sind
00:32:28: Wettbewerbe, Pitches und Präsentationen. Ihr habt selbst bei einem Wettbewerb im
00:32:35: Umfeld des jungen Handwerks gewonnen. Was sollte man mitbringen, um bei solchen
00:32:40: Pitches oder Wettbewerben erfolgreich aufzutreten?
00:32:43: Wettbewerbe sind am Anfang eines Start-up-Lebens wichtig, um die Idee zu testen
00:32:50: und unterschiedliche Perspektiven auf das Produkt zu bekommen.
00:32:53: Ich würde aber auch warnen: Je weiter ein Start-up kommt,
00:33:01: desto mehr sollte es sich wieder ein Stück weit von Wettbewerben lösen.
00:33:09: Am Ende verkauft man das Produkt nicht an eine Wettbewerbsjury,
00:33:14: sondern an Menschen im Markt. Wettbewerbe sind am Anfang also wichtig.
00:33:18: Man sollte aber nicht in einen „Clownzirkus“ geraten und langfristig seine gesamte
00:33:23: Zeit damit verbringen, nur noch an Wettbewerben teilzunehmen.
00:33:27: Für einen guten Pitch sollte man akzeptieren, dass man am Anfang nicht auf jede
00:33:36: Frage eine Antwort haben kann. Bei den ersten Pitches gibt es noch keine perfekte
00:33:44: Finanzplanung und nicht alle regulatorischen Fragen sind geklärt.
00:33:50: Man hat aber eine Vision, und diese Vision sollte so realistisch wie möglich
00:33:55: begründet sein. Das sind zwei Teile derselben Aufgabe:
00:33:58: Einerseits muss man die Menschen überzeugen und sein Projekt wirkungsvoll
00:34:04: vorstellen. Der Pitch sollte mit etwas beginnen, das sofort einschlägig ist und in
00:34:11: Erinnerung bleibt. Er sollte auch mit etwas enden, das man sich merkt oder das
00:34:16: vielleicht sogar praktisch umsetzbar ist. Andererseits sollte man sich für den
00:34:27: Mittelteil und die anschließenden Fragen überlegen, wie die Themen beantwortet
00:34:29: werden können, die mit Sicherheit aufkommen. Die Antworten sollten realistisch
00:34:34: sein. Realistisch bedeutet nicht, dass man bereits jede Antwort hat.
00:34:38: Man sollte aber einen überzeugenden Weg skizzieren können, wie man zu dieser Antwort gelangt.
00:34:46: Ich höre dabei auch heraus, dass Authentizität wichtig ist.
00:34:49: Man muss zeigen, dass man an die Lösung glaubt und Wege kennt,
00:34:57: um kommende Hürden zu überwinden. Gibt es noch einen Tipp für Start-ups,
00:35:07: den wir bisher nicht behandelt haben?
00:35:10: Mein wichtigster Tipp – manche haben ihn vielleicht schon herausgehört –
00:35:15: ist: Man sollte sich so schnell und so intensiv wie möglich mit der echten
00:35:21: Welt auseinandersetzen. Ich habe es vorhin gesagt: Ich kenne kein Start-up,
00:35:26: dessen Produkt am Ende noch genau dasselbe ist wie am Anfang.
00:35:32: Wenn man an einem Start-up-Projekt arbeitet, hat man eine Vision und eine
00:35:39: Vorstellung davon, wie alles sein könnte und sein sollte.
00:35:43: In der Praxis spielen aber externe Aspekte mit.
00:35:49: Die Menschen, die das Produkt kaufen sollen, sehen nicht unbedingt dieselben
00:35:53: Themen wie man selbst. Das kann sehr überraschend sein.
00:36:00: Wenn ich noch einmal anfangen würde, würde ich früher damit beginnen,
00:36:04: schneller mit meiner Idee nach draußen gehen und Menschen ansprechen.
00:36:06: In diesen Gesprächen muss man nicht unbedingt sofort etwas verkaufen.
00:36:15: Wenn das Projekt funktioniert, wird es Hunderte Kunden geben;
00:36:16: der allererste ist nicht allein ausschlaggebend, vielleicht eher die nächsten
00:36:20: zehn. Also: Geht raus in die Welt, holt euch Feedback zu euren Ideen und
00:36:28: seid ehrlich zu euch selbst.
00:36:33: Ehrlichkeit zu sich selbst und keine Angst vor Feedback –
00:36:37: das ist ein wichtiges Thema. Zum Schluss: Wir haben über levo,
00:36:40: eure Dienstleistung, euer Produkt und die Gründungsgeschichte gesprochen.
00:36:44: Wo findet man euch im Internet, wie kann man mit dir Kontakt aufnehmen,
00:36:50: und bist du bei LinkedIn?
00:36:57: Sehr gern. Die Antwort, die ich schon einmal aus der Zukunft vorwegnehme,
00:37:00: lautet: Fragt euren PV-Fachbetrieb – der kennt uns.
00:37:04: Das stimmt hier im Kreis und in der Region vielleicht schon,
00:37:08: aber sicher noch nicht überall dort, wo deine Hörerinnen und Hörer sind.
00:37:12: Die praktischere Antwort lautet: Man findet uns im Internet unter www.levo.gmbh.
00:37:17: levo schreibt sich wie Lego, nur mit einem V.
00:37:22: Mich findet man auf LinkedIn unter Patrick-Noël Horstmeier.
00:37:27: Ich freue mich, wenn mich jemand anschreibt – besonders zu den Themen
00:37:33: Energiewende, Stadtwerke sowie Immobilienunternehmen und Portfolioanpassungen.
00:37:37: Natürlich können sich auch Einzelpersonen oder PV-Fachbetriebe bei uns melden.
00:37:45: Auf unserer Website gibt es ein Kontaktformular, und wir antworten in der Regel recht zügig.
00:37:50: Super. Alle URLs, Internetadressen und Kontaktdaten schreibe ich noch einmal in
00:37:55: die Shownotes der Founder Talks, sodass man sie dort nachlesen kann.
00:38:01: Zum Schluss noch die Antwort auf ein Rätsel:
00:38:04: Was bedeutet levo, wofür steht der Name?
00:38:07: Einen Namen für ein Unternehmen zu finden, ist mindestens so schwierig,
00:38:11: wie einen Namen für ein Kind zu finden.
00:38:14: Wir haben viele Stunden damit verbracht und uns sehr gefreut,
00:38:19: diesen Namen gefunden zu haben. levo kommt aus dem Lateinischen und steht für
00:38:23: „vereinfachen“ und „erheben“. Hinter dem Namen steckt eine Mischung dieser beiden Ideen.
00:38:31: Dann ist das Rätsel gelöst. Vielen Dank, Patrick, für dieses tolle,
00:38:35: spannende und sehr ehrliche Gespräch. Ich drücke euch von levo ganz fest die
00:38:41: Daumen, dass es so erfolgreich weitergeht, wie es gestartet ist.
00:38:46: Gute Partnerschaften, gute Kontakte – und alles Weitere wird sich dann ergeben.
00:38:50: Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte. Es hat mich sehr gefreut,
00:38:54: und sonnige Grüße an alle, die uns zuhören.
00:39:00: Founder Talks – der Podcast zu
00:39:03: den Themen Start-up,
00:39:04: Existenzgründung,
00:39:05: Unternehmensnachfolge und
00:39:07: Innovation.