Founder Talks - der Podcast

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00:00:03: Founder Talks, der Podcast zu

00:00:06: den Themen Startup,

00:00:07: Existenzgründung,

00:00:08: Unternehmensnachfolge und

00:00:10: Innovation.

00:00:14: Herzlich willkommen bei den Founder Talks.

00:00:16: Mein Name ist Holger Hagenlocher.

00:00:19: Heute im Gespräch Professor

00:00:21: Achim Kampker,

00:00:22: Maschinenbauingenieur,

00:00:24: Hochschullehrer, Unternehmer und

00:00:26: Mitgründer der StreetScooter

00:00:29: GmbH.

00:00:30: Als Professor an der RWTH Aachen

00:00:34: beschäftigt er sich seit vielen

00:00:36: Jahren mit der Frage, wie aus

00:00:38: Forschung und technologischen

00:00:39: Ideen tatsächlich Innovationen,

00:00:42: Unternehmen und industrielle

00:00:44: Wertschöpfung entstehen.

00:00:46: In seinem neuen Buch „Zukunftsfrust – Zukunftsmut“ geht

00:00:51: er noch einen Schritt weiter.

00:00:52: Er fragt, warum wir

00:00:53: technologisch so vieles könnten

00:00:55: und trotzdem bei Bürokratie,

00:00:57: Finanzierung, Transfer und

00:00:59: Umsetzung immer wieder

00:01:01: ausgebremst werden.

00:01:02: Gleichzeitig entwirft er

00:01:04: Perspektiven für eine neue

00:01:06: Gründerzeit, für

00:01:07: Kreislaufwirtschaft, Robotik,

00:01:09: Biotechnologie und Raumfahrt und

00:01:12: für eine engere wirtschaftliche

00:01:13: Zusammenarbeit zwischen Europa

00:01:16: und Afrika.

00:01:18: Wir sprechen darüber, was Deutschland bei Innovation und

00:01:21: Unternehmertum heute ausbremst, warum Deep-Tech-Startups andere

00:01:26: Finanzierungsbedingungen brauchen und vor allem darüber,

00:01:30: wie aus Zukunftsfrust wieder Zukunftsmut werden kann.

00:01:37: Ja, hallo Herr Professor Kampker, schön, dass Sie Zeit

00:01:39: für die Founder Talks haben.

00:01:42: Sehr gerne, Herr Hagenlocher.

00:01:43: Okay, lassen Sie uns gleich einsteigen.

00:01:46: Ihr Buch heißt „Zukunftsfrust –

00:01:49: Zukunftsmut“.

00:01:50: Was frustriert Sie denn derzeit am meisten?

00:01:55: Dass uns die Technologien fehlen.

00:01:57: Oder dass wir vorhandene

00:01:58: Möglichkeiten nicht konsequent

00:02:00: genug nutzen.

00:02:02: Ja, zweiteres.

00:02:04: Also der der Frust kommt eigentlich darüber, dass wir das

00:02:07: ganze Handwerkszeug haben.

00:02:08: Wir haben gute Ideen, aber wir

00:02:11: nutzen das eigentlich nicht

00:02:12: durch zu viel Regeln, durch zu

00:02:14: viel Einschränkungen.

00:02:15: Und damit verschenken wir eigentlich Potenzial und stehen

00:02:18: eben nicht mehr da, wo wir eigentlich stehen können.

00:02:20: Und das finde ich und viele andere eben frustrierend.

00:02:23: Und es ist wichtig, das auch zu

00:02:26: thematisieren, dann aber

00:02:28: natürlich nicht in einer

00:02:29: Abwärtsspirale zu bleiben,

00:02:31: sondern dann eben auch wieder

00:02:32: nach vorne zu gucken und wie man

00:02:34: da rauskommt. Was sich ja in dem

00:02:37: zweiten Wort Ihres Titels

00:02:39: von dem neuen Buch schon zeigt:

00:02:41: Zukunftsmut. Nach vorne zu schauen

00:02:43: ist, glaube ich, eine ganz, ganz

00:02:44: wichtige Sache.

00:02:44: Sie sprechen im Untertitel von

00:02:46: einer (R)-Evolution der

00:02:48: Marktwirtschaft.

00:02:49: Das hört sich groß an!

00:02:50: Was muss sich denn evolutionär weiterentwickeln?

00:02:53: Und wo braucht es tatsächlich Revolution?

00:02:56: Ja, genau. Das ist

00:02:57: eigentlich auch die Idee,

00:02:59: warum der eine Buchstabe

00:02:59: auch eingeklammert ist: dass es

00:03:03: nachher eine Entscheidung ist: Ist es wirklich eine

00:03:05: Revolution oder eine Evolution?

00:03:07: Wenn wir uns anschauen, was mit

00:03:09: KI und AI und Humanoiden

00:03:12: passiert, könnte es schon eine

00:03:13: Art Revolution sein.

00:03:15: Zum Beispiel: Wir besteuern Arbeit.

00:03:17: Macht das dann überhaupt noch Sinn?

00:03:21: Und dann muss man viele Dinge neu erfinden, neue Regeln.

00:03:24: Das wird eher in Richtung Revolution gehen.

00:03:28: Evolution:

00:03:29: Da wäre zum Beispiel das Thema, aus der sozialen Marktwirtschaft

00:03:33: eine soziale Markt-Kreislaufwirtschaft zu machen.

00:03:36: Das heißt, wir benutzen alle

00:03:37: Gene der Marktwirtschaft, aber

00:03:40: erkennen eben an, die Ressourcen

00:03:43: sind endlich und ich muss sie

00:03:44: eben im Kreis führen, aber unter

00:03:46: marktwirtschaftlichen

00:03:46: Bedingungen.

00:03:47: Ob das dann eine Revolution ist

00:03:49: oder eine Evolution ich würde es

00:03:51: eher als Evolution, also als

00:03:52: Weiterentwicklung bezeichnen.

00:03:54: Das sollen dann auch andere beurteilen, aber in dem Rahmen

00:03:57: spielt sich das Ganze ab.

00:04:00: Ja, kann ich verstehen.

00:04:02: Manchmal wäre auch ein bisschen

00:04:04: Disruption von bestimmten

00:04:05: Bereichen der Gesellschaft und

00:04:08: der Wirtschaft sicher nicht

00:04:09: schlecht.

00:04:09: Und da kommen wir gleich zum nächsten Thema.

00:04:11: Ein prägnantes Kapitel in Ihrem

00:04:13: Buch heißt Die Herrschaft der

00:04:15: Schreibtische.

00:04:16: Haben wir in Deutschland

00:04:18: inzwischen ein System

00:04:19: geschaffen, in dem korrektes

00:04:21: Verwalten wichtiger geworden ist

00:04:23: als das Erreichen von

00:04:24: Ergebnissen?

00:04:27: Ja, definitiv.

00:04:28: Und vor allen Dingen haben sich viele darauf eingestellt, die

00:04:31: auch in der Verwaltung sind.

00:04:32: Und das ist eigentlich das, was

00:04:34: es mittlerweile sehr, sehr

00:04:35: schwierig macht, Themen

00:04:36: voranzutreiben.

00:04:38: Wenn ich mal einige Jahre zurückgehe, da hatte ich doch

00:04:41: immer noch den Eindruck, dass auch viele, die Genehmigungen

00:04:44: aussprechen, mit gesundem Menschenverstand herangegangen

00:04:47: sind und sich überlegt haben: Was könnte die Intention sein?

00:04:50: Und dann auch den Mut hatten, das gemeinsam umzusetzen.

00:04:54: Mittlerweile sind viele Regeln

00:04:55: dazugekommen, aber auch eine

00:04:57: gewisse Mutlosigkeit.

00:04:59: Und das führt dazu, dass es oft keine guten Lösungen mehr gibt,

00:05:02: um Dinge umzusetzen.

00:05:04: Und da sehe ich die Kernprobleme in unserer Gesellschaft.

00:05:08: Bürokratie als solche sorgt erst mal für Effizienz.

00:05:11: Also diese Regeln vom

00:05:14: Schreibtisch aus ist ja erstmal

00:05:15: was, das mit gleichem Maßstab

00:05:17: gemessen wird, dass es gerecht

00:05:18: zugeht.

00:05:19: Das ist ja sehr, sehr sinnvoll.

00:05:20: Aber wir haben den Bogen bei weitem überspannt und das ist

00:05:23: eigentlich das Problem.

00:05:24: Und dieses Pendel muss zurück.

00:05:26: Nicht in Richtung Chaos und gar keiner

00:05:28: Bürokratie, aber deutlich weg

00:05:31: von diesen kleinteiligen

00:05:32: Rastern, die wir mittlerweile

00:05:34: geschaffen haben.

00:05:35: Jetzt könnte man ja sagen,

00:05:36: Digitalisierung müsste in die

00:05:39: Bürokratie einziehen. Dann wäre

00:05:40: vieles schneller, vieles

00:05:42: effizienter.

00:05:43: Aber das allein löst ja das Problem nicht.

00:05:46: Was müsste denn beim Staat tatsächlich und bei der

00:05:49: Verwaltung konkret anders werden, damit Unternehmer und Startups

00:05:55: – damit beschäftigen wir uns ja ganz stark –

00:05:56: wieder schneller

00:05:58: handeln können?

00:06:00: Ja, ich glaube, es ist wirklich der Mut, Entscheidungen zu

00:06:02: treffen und der Wille, die dann auch umzusetzen und Spielräume

00:06:04: wirklich zu nutzen.

00:06:06: Und das ist eben in Kombination mit Digitalisierung.

00:06:09: Also wir brauchen Digitalisierung, insbesondere

00:06:12: also nicht nur bei Unternehmen, sondern auch in der Verwaltung.

00:06:15: Das wird ein Riesenschritt, aber

00:06:16: das heilt das Problem nicht,

00:06:18: dass es für bestimmte

00:06:19: Fragestellungen eigentlich keine

00:06:22: vernünftigen Lösungen mehr

00:06:23: gibt.

00:06:24: Und diesen Mut, auch der

00:06:25: Behördenleitung zum Beispiel zu

00:06:27: sagen, Wir wollen jetzt

00:06:28: bestimmte Themen erreichen,

00:06:29: sucht Wege, wie das geht und

00:06:32: nicht: Lest nach, was ihr dürft

00:06:35: usw., sondern sucht Wege, wie es

00:06:38: geht.

00:06:38: In dem Rahmen der Möglichkeiten.

00:06:40: Und da muss man kreativ werden.

00:06:41: Und das fehlt an vielen Stellen.

00:06:45: Verstehe.

00:06:46: Deutschland ist ja grundsätzlich

00:06:47: hervorragend darin, Technologien

00:06:49: zu entwickeln, aber deutlich

00:06:51: weniger erfolgreich darin,

00:06:53: daraus skalierende Unternehmen

00:06:55: zu machen.

00:06:56: Sie sind selbst Unternehmer, haben die StreetScooter GmbH ja

00:07:00: mit aufgebaut und erfunden.

00:07:02: Wo geht es auf dem Weg von der Invention zur Innovation?

00:07:06: Wo geht da am meisten verloren?

00:07:09: Ja, genau wie Sie es

00:07:10: angesprochen haben in der

00:07:11: Skalierung.

00:07:11: Ich glaube auch, das sieht man auch an dem StreetScooter.

00:07:14: Bis zu einem bestimmten Grad hat das sehr, sehr gut funktioniert.

00:07:18: Man hat viele Hürden

00:07:19: übersprungen, was wirklich

00:07:21: gigantisch ist.

00:07:22: Ein tolles Team aufgebaut.

00:07:23: Und immer, wenn wir in die

00:07:24: Skalierung wirklich reingehen in

00:07:26: Deutschland, dann sind es

00:07:27: andere, die uns das

00:07:28: wegschnappen.

00:07:29: Oder dann scheitern wir.

00:07:30: Das heißt, wenn es wirklich um große Summen und auch noch mal

00:07:33: ein Risiko, was das Finanzielle im großen Maße angeht, dann tun

00:07:37: wir uns oft schwer und bewerten eben nicht nach dem Potenzial,

00:07:42: sondern nach dem, was schlussendlich schon da ist.

00:07:44: Und das ist der Kernunterschied zu Amerika zum Beispiel, die

00:07:48: das sehr, sehr gut machen im Gegensatz zu uns.

00:07:50: Und da müssen wir echt nachbessern.

00:07:52: Also die Skalierung ist das Kernproblem.

00:07:55: Und das andere ist, dass es oft aus

00:07:57: den Hochschulen und aus der

00:07:58: Forschung noch nicht mal bis

00:08:00: zu diesem ersten Schritt

00:08:01: kommt.

00:08:01: Also das sind so die zwei

00:08:03: Knackpunkte, wo wirklich

00:08:04: wir wirklich unterdurchschnittlich agieren.

00:08:07: Die gute Nachricht ist natürlich

00:08:09: Eigentlich haben wir genug, um

00:08:10: es in die Pipeline

00:08:11: reinzuschieben.

00:08:12: Man muss ja auch die positiven Sachen sehen.

00:08:14: Aber diese beiden Knackpunkte, da müssen wir ran.

00:08:20: In Ihrem Buch steht, dass es ja

00:08:22: nicht nur an der Menge des

00:08:25: Kapitals letztendlich liegt, die

00:08:27: vorhanden ist, sondern

00:08:28: tatsächlich auch das falsche

00:08:30: Kapital reingeht.

00:08:31: Was kann man darunter verstehen?

00:08:35: Ja, da geht es ein bisschen

00:08:36: darum, was ich zum Beispiel mit

00:08:38: bestimmten Förderkulissen

00:08:40: machen darf oder nicht.

00:08:42: Also es gibt unglaublich viele

00:08:44: Regeln rund um Beihilfe, die

00:08:47: sehr einengen können, die

00:08:48: natürlich alle ihren Sinn und

00:08:50: Zweck haben.

00:08:51: Wenn man mit öffentlichen

00:08:51: Geldern arbeitet, dann muss es

00:08:53: natürlich bestimmte Regeln

00:08:55: geben.

00:08:55: Aber wenn wir dann überlegen, wie kann ich das dann nachher

00:08:59: kommerzialisieren? Und wenn wir zu hohe Hürden dann einfach

00:09:02: aufbauen, dann haben wir das Geld ausgegeben und es hat

00:09:05: eigentlich nicht die Wirkung, die wir haben wollen.

00:09:08: Das heißt, in Summe ist es schon

00:09:09: so, dass wir Geld ausgeben, aber

00:09:13: eben dann nicht mit den

00:09:14: richtigen Regeln oder an anderer

00:09:16: Stelle, wenn wir schauen, wie

00:09:18: viel auf unseren Bankkonten

00:09:19: liegt.

00:09:20: Also Deutschland ist nach wie vor ein reiches Land.

00:09:22: Es gibt genug Geld und viele

00:09:26: wollen jetzt den Umweg über

00:09:27: Steuern.

00:09:27: Also alle sollen mehr Steuern

00:09:28: zahlen, damit mehr gemacht

00:09:29: werden kann.

00:09:30: Ich glaube, der Staat hat genug Geld.

00:09:32: Er sollte eher sparsamer sein.

00:09:34: Aber dieses Geld müsste

00:09:35: investiert werden, und zwar

00:09:36: nicht nur in Häuser, sondern in

00:09:38: neue Ideen.

00:09:39: Und damit brauchen wir die Kanäle.

00:09:41: Und das geht natürlich jeden etwas an!

00:09:43: Jeder, der Geld zur Verfügung

00:09:45: hat, hat auch eine gewisse

00:09:46: Verantwortung, das zu

00:09:48: investieren.

00:09:48: Wir sollten es ihnen nicht abnehmen und meinen, der Staat

00:09:51: könnte damit besser umgehen, sondern wir sollten aufrufen

00:09:54: Investiert dieses Geld in Startups, in neue Ideen, in Dinge,

00:09:59: die den Kuchen größer machen.

00:10:01: Zu Ihnen: Sie sind Mitgründer von StreetScooter.

00:10:05: Wenn Sie heute noch mal mit

00:10:06: einer technologischen Idee aus

00:10:08: der Hochschule heraus gründen

00:10:10: würden, was würden Sie genauso

00:10:12: machen?

00:10:13: Und was würden Sie heute als Person, wenn Sie so ein

00:10:16: Unternehmen gründen, mal komplett anders angehen?

00:10:20: Ja, also genauso würde ich es machen: das ganze

00:10:25: Teambuilding, ein Team aufzubauen.

00:10:28: Da ist was Unglaubliches

00:10:30: entstanden und das war einfach

00:10:31: nur genial.

00:10:32: Das war super und das würde ich

00:10:34: exakt so wieder versuchen und so

00:10:36: wieder machen.

00:10:37: Was ich anders, vollkommen anders angehen würde mit der

00:10:40: Erfahrung, die ich jetzt habe, ist das Thema der Finanzierung

00:10:44: und an Geld zu kommen.

00:10:47: Das war etwas, wo ich viel zu blauäugig rangegangen bin, wo

00:10:50: mir auch Erfahrung gefehlt hat, wo ich einfach nicht vorbereitet war.

00:10:56: Manchmal sind es einfach Dinge wie:

00:10:57: Wie bereite ich was auf?

00:10:58: Ja, also ich muss in eine

00:11:00: bestimmte Struktur reinpassen,

00:11:02: um die Finanzsprache zu

00:11:04: sprechen, um da Credibility zu

00:11:06: haben.

00:11:07: Und dem würde ich mich in

00:11:08: Anführungsstrichen einfach

00:11:09: anpassen.

00:11:10: Das habe ich gelernt und damit

00:11:11: wäre man, glaube ich, deutlich

00:11:13: schneller und effizienter

00:11:14: bewegt.

00:11:15: Also das würde ich ganz anders angehen.

00:11:16: Okay.

00:11:17: Ja. Also sind wir wieder beim Thema Finanzierung und dass man

00:11:22: eben auch die Sprache der Finanzleute ein Stück weit

00:11:26: sprechen muss und das Denken verstehen muss, um da

00:11:29: tatsächlich einen Schritt vorwärts zu kommen.

00:11:32: Viele Diskussionen drehen sich

00:11:34: momentan um alles, was schlecht

00:11:36: ist, was alles nicht

00:11:37: funktioniert.

00:11:38: Sie gehen aber in Ihrem Buch bewusst weiter und sprechen von

00:11:41: einer neuen Gründerzeit.

00:11:43: Wie müsste Deutschland denn

00:11:45: tatsächlich aussehen, damit

00:11:48: Ingenieurinnen, Forscher und

00:11:48: Entwickler wieder häufiger

00:11:52: Unternehmer werden?

00:11:54: Ich glaube, es sind zwei, zwei Themen.

00:11:56: Das eine ist, dass wir das wirklich als grundsätzlich was

00:12:00: Positives, Gutes und auch das Geldverdienen und Rendite machen

00:12:03: wieder als positiv bewerten.

00:12:06: Ja, das Ganze funktioniert nur, wenn man auch Gewinne macht und

00:12:10: die investiert und davon schlussendlich auch leben kann.

00:12:15: Und das ist, glaube ich, extrem wichtig, dass wir das in der

00:12:18: Gesellschaft noch mehr verankern: die Achtung vor denen,

00:12:21: die wirklich Unternehmer sind, etwas

00:12:24: unternehmen und natürlich auch große Risiken eingehen und dann

00:12:27: auch etwas daran verdienen sollen, was natürlich dann möglichst

00:12:31: auch wieder investiert wird.

00:12:32: Ich glaube, das ist das eine und

00:12:34: das andere ist, dass wir eine

00:12:35: gemeinschaftliche Vision

00:12:37: entwickeln.

00:12:38: Wofür machen wir das?

00:12:39: Und wo wollen wir eigentlich hin?

00:12:41: Wie soll die Gesellschaft schlussendlich aussehen?

00:12:43: Und das kann nichts Rückwärtsgewandtes, kann aber

00:12:46: auch keine Verbotskultur sein, sondern es müssen Dinge sein:

00:12:49: Wir wollen die Markt-Kreislaufwirtschaft.

00:12:52: Was wollen wir erreichen?

00:12:53: Wir wollen das Weltall vielleicht besiedeln.

00:12:56: Wir wollen seltene Krankheiten

00:12:58: heilen und daraus etwas zu

00:13:00: machen, was eine gemeinsame

00:13:01: Vision ist, wo wir sagen: Das

00:13:04: trägt.

00:13:05: Da haben wir die Anführer, die

00:13:07: auch vorangehen, nicht aus

00:13:09: Selbstzweck, sondern um uns als

00:13:11: Gesellschaft eben auch nach

00:13:12: vorne zu bringen und auch wieder

00:13:15: in die Topliga der Wirtschaft

00:13:17: zurückzubringen.

00:13:18: Also, da haben Sie ganz viele Bereiche angesprochen.

00:13:20: Es geht erst mal um den Respekt

00:13:22: und die Wertschätzung der

00:13:24: Personen, die tatsächlich

00:13:25: gründen und dieses Risiko

00:13:27: eingehen.

00:13:28: Auch die Kultur des Misserfolgs

00:13:31: oder Scheiterns, das

00:13:32: spielt sicher auch mit rein,

00:13:35: aber da kann sich ja auch

00:13:37: einiges ändern.

00:13:38: Momentan ist es ja auch tatsächlich so, dass wir einen

00:13:42: richtigen Gründerboom haben.

00:13:44: Inwieweit er allerdings aus der Not geboren ist, weil die großen

00:13:47: Unternehmen keine Ingenieure mehr anstellen oder nicht mehr

00:13:51: in dem Umfang einstellen, das wird sich dann in einigen Jahren

00:13:55: dann auch zeigen.

00:13:55: Aber die Bereitschaft zum Gründen ist ja tatsächlich da.

00:13:59: In Ihrer Vision 2080, und das fand ich total

00:14:03: spannend: In Ihrem Buch verbinden Sie KI, Robotik, Biotechnologie,

00:14:07: Energie und sogar die Raumfahrt.

00:14:10: Warum reicht es nicht,

00:14:12: einzelne Zukunftstechnologien zu fördern?

00:14:14: Warum müssen wir diese Felder

00:14:16: zusammendenken, zusammenziehen

00:14:18: und ein Stück weit auch

00:14:19: interdisziplinär agieren?

00:14:22: Ja, weil sie ineinander greifen und sich, wenn man es geschickt

00:14:24: macht, eben verstärken.

00:14:26: Und das könnte ein USP auch von

00:14:28: Deutschland, von Europa

00:14:29: schlussendlich sein. In

00:14:31: Einzeltechnologien jetzt anderen

00:14:33: hinterherzulaufen.

00:14:35: Ich glaube, da tun wir uns schwer.

00:14:37: Aber mit der Breite, die wir auch in Deutschland haben, wir

00:14:40: haben ja eine große industrielle Breite nach wie vor noch.

00:14:43: Da könnte es gelingen, dass viele sich verstärkende Effekte

00:14:47: in einer Vision zusammenkommen.

00:14:49: Und das ist eigentlich genau die Idee.

00:14:51: Und da sehe ich viele Stärken,

00:14:53: die wir nach wie vor

00:14:54: schlussendlich haben, die wir

00:14:55: ausspielen sollten.

00:14:57: Beim Weltraum sprechen Sie

00:14:58: sinngemäß von neuen

00:15:00: wirtschaftlichen Ressourcen,

00:15:01: Zonen oder einer neuen

00:15:02: wirtschaftlichen Ressourcenzone.

00:15:04: Ist da Europa überhaupt noch früh genug dran?

00:15:08: Wenn man weiß, dass die

00:15:09: Chinesen, die Amerikaner, die

00:15:11: Russen längst im Weltraum

00:15:13: unterwegs sind?

00:15:14: Und können wir als Zentraleuropa, als Deutschland

00:15:20: bei einer zukünftigen Weltraumökonomie überhaupt noch

00:15:23: eine relevante Rolle spielen?

00:15:25: Was denken Sie?

00:15:26: Ihre Einschätzung?

00:15:27: Ja, da bin ich fest davon

00:15:28: überzeugt, dass, wenn

00:15:30: wir da wirklich eine gute

00:15:32: Strategie haben, das

00:15:33: möglich ist.

00:15:34: Es ist ja immer weltweit, wenn man in die Historie reingeht,

00:15:37: mal so gewesen, dass der eine vorne ist, der andere hinten.

00:15:40: Und wenn man sich dann wirklich einen guten Plan macht und Dinge

00:15:44: zueinander fügt, dann kann man überholen und aufholen.

00:15:49: Deshalb ist meiner Meinung nach nichts verloren.

00:15:52: Wir haben ja auch einen Wandel,

00:15:53: der da stattgefunden hat, von

00:15:54: der staatlich gelenkten hin zur

00:15:56: privatwirtschaftlichen

00:15:57: Entwicklung.

00:15:58: Und das gibt natürlich eine ganze Menge Chancen auch für

00:16:01: uns, auch für Europa.

00:16:02: Wir müssen sie nur ergreifen.

00:16:04: Und der Kern wird sein: Schaffen

00:16:06: wir das, aus unserer

00:16:07: perfektionierten Langsamkeit

00:16:08: aufzuwachen und wieder in

00:16:09: Geschwindigkeit schlussendlich

00:16:11: zu kommen.

00:16:12: Und da wird der Schlüssel liegen.

00:16:14: Wenn wir weiter langsam bleiben, dann gebe ich Ihnen recht:

00:16:17: Dann haben wir da keine Chance. Wenn wir agil und schnell werden

00:16:20: – und das liegt ja auch an uns

00:16:21: selbst, wir sind ja die

00:16:23: Gesellschaft, die einzelnen

00:16:24: Menschen – dann haben wir da gute

00:16:26: Chancen.

00:16:27: Vielleicht hier noch eine Nachfrage.

00:16:30: Und zwar Sie sprechen ja von einer Ressourcenzone.

00:16:33: Was kann man denn unter

00:16:34: Ressourcenzone tatsächlich

00:16:36: verstehen?

00:16:37: Ja gut, das erste ist, je nachdem, wie hoch wir gehen.

00:16:40: Da geht es um Daten.

00:16:42: Wenn wir über Satelliten reden,

00:16:44: das sind ja auch schlussendlich

00:16:45: Ressourcen.

00:16:46: Wenn wir weitergehen, reden wir tatsächlich auch über

00:16:49: Rohmaterialien und Dinge, die wir aus den einzelnen

00:16:55: Gesteinsblöcken usw. – das ist

00:16:57: natürlich eine langfristige

00:16:58: Sicht – tatsächlich rausholen

00:16:59: können.

00:17:00: Auch Energie ist im Weltall.

00:17:02: Da ich da nicht Tag und Nacht

00:17:04: habe, ist sie quasi grenzenlos

00:17:06: verfügbar.

00:17:07: Man muss es sich halt nur nutzbar machen.

00:17:09: Das hört sich jetzt im ersten Schritt alles so an: Ach, das wird

00:17:11: ja nie eintreten.

00:17:13: Aber gehen wir mal in die

00:17:14: Geschichte rein und gucken uns

00:17:15: dann an: vor 100, vor

00:17:17: 200 oder 300

00:17:18: Jahren, was da als Science

00:17:19: Fiction bezeichnet worden ist

00:17:20: und nicht machbar und auf keinen

00:17:21: Fall realisierbar.

00:17:23: Und bis auf das Beamen haben wir

00:17:25: das eigentlich alles

00:17:25: mittlerweile eingetütet.

00:17:27: Und da wird noch viel gehen.

00:17:28: Also das, was die Menschen können und möglich machen.

00:17:31: Da sind wir noch lange, lange nicht am Ende der Fahnenstange.

00:17:34: Und ich bin überzeugt davon,

00:17:36: dass die Weltraumbesiedelung

00:17:38: sinnvoll ist und auch

00:17:39: funktioniert und wir uns dann

00:17:40: damit im wahrsten Sinne des

00:17:41: Wortes noch mal ganz andere

00:17:42: Welten auftun.

00:17:43: Aber eine andere Geschichte, die

00:17:45: vielleicht auch sehr viel

00:17:46: Potenzial bietet.

00:17:47: Sie schreiben in Ihrem Buch auch

00:17:50: von der EURAFRIKA-

00:17:52: Innovationsstrategie, also die

00:17:54: Zusammenarbeit von Europa und

00:17:56: Afrika.

00:17:59: Warum sollten wir Afrika nicht

00:18:01: länger primär als

00:18:02: Entwicklungsregion betrachten,

00:18:04: sondern als künftigen

00:18:07: Innovations- und

00:18:08: Wirtschaftspartner?

00:18:10: Ja, weil das mittlerweile tatsächlich in vielen Fällen

00:18:12: schon so ist und einzelne afrikanische Länder uns

00:18:16: schon was voraus haben.

00:18:17: Da ist eine breite Mittelschicht

00:18:18: entstanden, sehr gut

00:18:20: ausgebildet, pragmatische

00:18:23: Innovationen, die sie

00:18:25: schlussendlich jetzt schon

00:18:26: bringen und entwickeln – ein

00:18:27: unglaubliches Potenzial.

00:18:29: Und jetzt können wir uns

00:18:30: entscheiden, ob wir dieses Feld

00:18:32: den Amerikanern und den Chinesen

00:18:33: überlassen.

00:18:34: Auch mit den negativen Auswirkungen,

00:18:36: die das hat.

00:18:36: Oder ob wir wirklich –

00:18:37: jetzt, glaube ich, ist es für afrikanische Länder noch

00:18:40: interessant – partnerschaftlich die Hand reichen.

00:18:44: Also nicht im Sinne: Wir erklären

00:18:46: Afrika, wie es geht, sondern

00:18:48: deren Potenziale zu nutzen, aber

00:18:50: auch unsere Erfahrungen, unsere

00:18:51: industrielle Basis zu nutzen,

00:18:53: um gemeinschaftlich diese

00:18:55: Region weiterzubringen, zum

00:18:57: beiderseitigen Nutzen.

00:18:58: Und ich glaube, da liegt eine

00:18:59: mega Chance drin und eine der

00:19:01: Chancen, die wir nutzen müssen,

00:19:04: wenn Europa zukünftig wirklich

00:19:06: noch weltweit eine Rolle spielen

00:19:07: will. In Afrika, glaube ich, wird

00:19:09: schon viel, was die Welt angeht,

00:19:11: entschieden. Unglaublich viele

00:19:13: Menschen, junge Menschen, die

00:19:14: dort leben.

00:19:16: Rohstoffreich.

00:19:17: Also da wird, glaube ich, das

00:19:20: Schicksal der Welt zumindest mit

00:19:21: entschieden.

00:19:22: Und wir sollten da dabei sein,

00:19:24: in einer positiven Art und Weise

00:19:26: und wirklich partnerschaftlich,

00:19:28: nicht belehrend.

00:19:31: Ja, ich denke, da gehört auch

00:19:33: viel Respekt und

00:19:35: Kommunikation und Austausch auf

00:19:37: Augenhöhe dazu.

00:19:39: Dieser koloniale Geist, der hier

00:19:41: nach wie vor in vielen Köpfen

00:19:43: mitschwingt, der muss da weg,

00:19:45: damit tatsächlich ein

00:19:46: produktiver Austausch auch

00:19:48: passieren kann.

00:19:49: Ja, wir müssen in Summe von unserem hohen Ross runter,

00:19:52: weil wir in Europa ja nach wie vor denken, wir würden das alles regeln,

00:19:55: sind kulturell überlegen und können allen anderen erklären,

00:19:59: was sie zu tun und lassen haben.

00:20:01: Das glaube ich nicht.

00:20:02: Und da fängt es an, wirklich

00:20:04: zuzuhören und zu respektieren,

00:20:06: dass es auch andere Ansichten

00:20:08: schlussendlich gibt.

00:20:09: Ich habe klare Meinungen und ein klares Wertesystem.

00:20:11: Das ist damit nicht gemeint,

00:20:12: eine Beliebigkeit an den Tag zu

00:20:14: legen.

00:20:15: Ich habe klare Standpunkte, kann mein Gegenüber aber trotzdem

00:20:18: ernst nehmen und achten.

00:20:19: Und das merkt das Gegenüber auch direkt.

00:20:22: Und ich glaube, das ist wichtig.

00:20:24: Von unserem hohen Ross runterkommen und dann mit einer

00:20:27: gewissen Demut in der Welt auch Geschäfte zu machen und gemeinsam

00:20:32: mit anderen zusammenzuarbeiten.

00:20:33: Dann wird das auch wieder was.

00:20:35: Wir haben jetzt in Windeseile ganz viele Felder abgearbeitet.

00:20:39: Raumfahrt.

00:20:39: Afrika.

00:20:41: Innovation.

00:20:42: Verwaltung.

00:20:43: Kommen wir mal zurück zu den

00:20:45: Founder Talks, wo wir heute

00:20:47: sprechen.

00:20:48: Wenn uns heute ein Startup, eine Existenzgründerin oder ein

00:20:51: Existenzgründer zuhört, was kann diese Person in Ihren

00:20:57: Augen selbst tun, um nicht im Zukunftsfrust stecken zu

00:21:02: bleiben, sondern diesen Zukunftsmut zu entwickeln?

00:21:07: Ja, also wenn Sie Gründer sind, haben Sie, glaube ich, schon

00:21:09: viel davon mitgenommen.

00:21:12: Es gibt ein paar Eigenschaften.

00:21:13: Das eine ist wirklich Durchhaltevermögen.

00:21:15: Wenn man an eine Idee glaubt,

00:21:17: kann man viel bewegen, sollte

00:21:19: sich das auch nicht

00:21:20: schlechtreden lassen.

00:21:21: Also da wirklich dranbleiben.

00:21:22: Auf der anderen Seite auch gut zuhören.

00:21:24: Also nicht selber abheben und

00:21:26: meinen, man weiß alles besser,

00:21:28: sondern sich ein paar

00:21:29: Sparringspartner suchen.

00:21:30: Nicht um sich verunsichern zu lassen, sondern um da

00:21:32: herauszuarbeiten: Wo kann ich dazulernen, wo muss ich

00:21:36: justieren und anpassen?

00:21:38: Und dann gemeinsam wirklich ein exzellentes Team aufbauen.

00:21:41: Und dann kann man extrem viel bewegen.

00:21:43: Und das ist eigentlich mein Kernrat, genauso vorzugehen.

00:21:47: Ja, dann hoffen wir mal, dass sich das viele Hörerinnen und

00:21:52: Hörer auch zu Herzen nehmen und mutig in die Zukunft gehen.

00:21:56: Ihnen, Herr Kampker, erstmal

00:21:58: herzlichen Dank für das wirklich

00:22:01: interessante Gespräch.

00:22:02: Da könnte man über jedes einzelne Thema sicher noch viel,

00:22:05: viel länger sprechen.

00:22:07: Ich werde in den Shownotes auf

00:22:09: jeden Fall Ihre Angaben zu dem

00:22:13: Buch, ISBN-Nummer usw., angeben.

00:22:16: Und wenn jemand mehr wissen

00:22:18: will, dann kann er das Buch

00:22:20: entsprechend im Buchhandel oder

00:22:22: online bestellen.

00:22:24: Ja, sehr gerne.

00:22:25: Und ich stehe auch immer für ein

00:22:26: gutes Gespräch gerne zur

00:22:27: Verfügung.

00:22:27: Also wenn einen das interessiert, kann er sich auch

00:22:30: gerne bei mir persönlich melden.

00:22:31: Okay.

00:22:31: Wie kann man Sie kontaktieren?

00:22:33: Wo erreicht man Sie, wenn man

00:22:35: mit Ihnen in die Tiefe gehen

00:22:37: will?

00:22:38: Am besten und einfachsten ist es wahrscheinlich, über LinkedIn

00:22:40: Kontakt aufzunehmen und kurz zu beschreiben, was man

00:22:45: möchte.

00:22:46: Man findet mich aber auch über die Homepage der RWTH Aachen, über

00:22:50: E-Mail, mit Telefonnummer, und kann dann Kontakt mit uns aufnehmen.

00:22:54: Okay, vielen Dank.

00:22:55: Vielen Dank für die Zusatzinfos und noch mal vielen Dank für das

00:22:59: Gespräch und Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

00:23:02: Ich bedanke mich auch.

00:23:03: Hat Spaß gemacht.

00:23:04: Herr Hagenlocher.

00:23:08: Founder Talks – der Podcast zu den

00:23:11: Themen Startup,

00:23:12: Existenzgründung,

00:23:13: Unternehmensnachfolge und

00:23:15: Innovation.