Founder Talks - der Podcast

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Intro: Founder Talks – der Podcast zu den Themen Startup, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge und Innovation.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Hallo und willkommen bei den Founder Talks. Heute geht es gleich um zwei Themenbereiche, die im Bereich der Selbstständigkeit interessant sind. Zum einen geht es darum, wie es ist, nebenberuflich selbstständig zu sein und wie sich dies mit dem Alltag in Einklang bringen lässt. Zum anderen geht es um die Bedeutung von Netzwerken. Am Telefon spreche ich dazu mit Nadja Seßler. Sie ist Inhaberin des Secondhandladens „Nannis zweite Reise für Kinderartikel“. Zudem hat sie das Familiennetzwerk „Rundum Familie Hegau-Schwarzwald“ ins Leben gerufen. Hallo Nadja, schön, dass du Zeit für dieses Gespräch hast.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Hallo Holger, vielen Dank für deine Einladung.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Lass uns gleich einsteigen: Nadja, stell dich doch bitte kurz vor. Wer bist du? Was machst du beruflich? Und wie kam es dazu, dass du nebenberuflich zur Unternehmerin geworden bist?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Wie du ja schon gesagt hast: Ich bin Nadja, ich bin verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Ich bin angestellt im Bereich Arbeitssicherheit. In der Elternzeit von meinem zweiten Kind wollte ich eigentlich schon ein bisschen früher wieder aus der Elternzeit zurück. Das hat aber bei meinem damaligen Arbeitgeber nicht so ganz reingepasst. Dann musste eine zweite Lösung her. Irgendwie ist daraus die Idee entstanden – und von der Idee bis zur Eröffnung meines Ladens waren es dann nicht einmal vier Monate. Jetzt bin ich seit vier Jahren selbstständig.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Den Namen deines Ladens finde ich sehr klassisch: „Nannis zweite Reise“. Das klingt sehr liebevoll und persönlich. Was steckt hinter dem Namen und was bedeutet für dich diese „zweite Reise“ von Kinderartikeln?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Nanni ist tatsächlich der Kosename, den mir früher meine Oma gegeben hat. Als die Idee mit dem Kinder-Secondhand bei mir entstanden ist, musste natürlich auch ein Name her. Ich habe zusammen mit meiner besten Freundin eine Sammlung gemacht: einfach ein paar Namen, die mir oder ihr eingefallen sind. Die haben wir aufgeschrieben und zusammen mit mehreren Fragen zu einer Online-Umfrage zusammengebaut. Das waren dann auch Leute, die weder mich noch meine Idee wirklich kannten. Die haben auch über den Namen abgestimmt – und „Nannis zweite Reise für Kinderartikel“ hat mit sehr viel mehr Stimmen tatsächlich gewonnen. Seitdem heißt mein Laden so.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Wunderbar. Tolle Idee mit der Online-Abfrage. Gehen wir auf dein Angebot ein: Was genau finden Familien bei „Nanni’s zweite Reise“? Und für wen ist dein Angebot besonders interessant?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Eigentlich findet man bei mir alles rund ums Kind: sowohl die Standardausstattung – T-Shirts, Hosen, ein Beistellbett und so weiter – als auch Besonderheiten. Ich muss manchmal wirklich schmunzeln. Es gibt immer wieder Teile, die den Weg zu mir in den Laden finden, bei denen ich denke: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das finde ich am Secondhand auch spannend: Es ist kein steifes Repertoire, sondern etwas, das tatsächlich mitwächst. Und genau da sind wir beim nächsten Thema: Kinder wachsen sehr schnell, und Kinderartikel sind wirklich sehr, sehr teuer. Ich bin immer wieder überrascht, was die Sachen neu im Laden kosten. Wenn man das Gefühl hat, etwas zu brauchen, und kauft es Secondhand, dann tut es vielleicht nicht ganz so weh, wenn es am Ende doch nicht das ist, was man davon erwartet hatte.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Du hast aber nicht nur den lokalen Laden in Immendingen – für die Hörerinnen und Hörer, die nicht aus deiner Gegend sind: Immendingen liegt im Donautal im südlichen Baden-Württemberg –, sondern du hast auch einen Onlineshop und verkaufst über Social Media, WhatsApp und weitere Kanäle. Wie bist du darauf gekommen, mehrere Vertriebswege zu bespielen, und wie wichtig ist diese Verbindung für dich?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Social Media und die Online-Elemente, zum Beispiel mein WhatsApp-Katalog, sind ganz klar mein digitales Schaufenster. Mein alter Laden war in Geisingen-Kirchen-Hausen, und auch jetzt in meinem jetzigen Laden in Immendingen habe ich keine klassische Laufkundschaft. Ich bin nicht in der Stadtmitte. Deshalb war es für mich wichtig, auch den Kundinnen und Kunden, die nicht direkt bei mir vorbeilaufen, eine Möglichkeit zu geben, in das Schaufenster zu schauen. So sehe ich das tatsächlich. Ein weiterer klarer Punkt ist, die Erreichbarkeit für Familien auszuweiten. Ich habe Freitag und Samstag meinen Laden geöffnet. Mit den Online-Angeboten habe ich die Möglichkeit, rund um die Uhr für Familien erreichbar zu sein.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Da muss ich gleich einhaken, weil mir gerade der Gedanke kommt: Machst du auch Versand der Artikel? Oder kaufen die Familien online und kommen dann bei dir vorbei, um die Produkte abzuholen?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Sowohl als auch. Ich habe zum Beispiel Kundinnen und Kunden, die über den Katalog bestellen und dann zu einem Termin bei mir abholen. Ich habe aber auch die Möglichkeit, Dinge zu versenden. Es muss natürlich für beide Seiten passen und sollte auch wirtschaftlich und umweltfreundlich sinnvoll sein. Was ich mittlerweile auch ganz häufig mache: Ich liefere aus. Die Fahrten, die ich im Privatleben oder im Berufsleben auf dem Weg zur Arbeit sowieso habe, nutze ich, um die Dinge in die Familien zu bringen.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Das bedeutet aber auch, dass deine Kundinnen und Kunden tatsächlich überwiegend aus der Region kommen und du wahrscheinlich keine Kunden aus Berlin belieferst?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Tatsächlich sehr selten. Es gibt vereinzelt Kundinnen und Kunden, die zum Beispiel über Social Media auf das Angebot aufmerksam werden und dann auch mal etwas bestellen. Aber der Großteil ist tatsächlich in der Region.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Du hast den Umweltgedanken schon angesprochen. Nachhaltigkeit ist bei Secondhand immer ein naheliegendes Thema. Ist das für deine Kundinnen ein Hauptmotiv, oder geht es genauso um den Preis, um die Praktikabilität, um die Freude am Stöbern, einfach um das Einkaufserlebnis? Was denkst du: Was ist für deine Kundschaft am spannendsten?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Ich glaube, es ist tatsächlich die Mischung. Natürlich ist der Preis ein Aspekt. Aber wie ich vorhin schon gesagt habe: Bei mir gibt es auch Besonderheiten. Ich glaube, das ist der Reiz an Secondhand – Dinge zu finden, die man vielleicht gar nicht gesucht hat, und nachher total happy über diesen Fund zu sein. Meine Kundinnen und Kunden sind sehr unterschiedlich, auch die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Ich schätze es sehr, dass ich persönlich auf die Bedürfnisse eingehen kann.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Du betreibst das Geschäft nebenberuflich. Du hast gerade schon angesprochen: Zwei Tage in der Woche ist geöffnet, wenn ich es richtig verstanden habe; die restliche Zeit sind Onlineshop oder WhatsApp-Kanal präsent. Was war der ursprüngliche Impuls? Wie kam es dazu, dass du Hauptberuf und nebenberufliche Selbstständigkeit zusammengebracht hast?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich in dem Moment, als ich den Laden eröffnet habe, nie darüber nachgedacht, wie es langfristig weitergeht. Für mich stand zunächst im Vordergrund, die Elternzeit zu nutzen. Dann ist es einfach mehr geworden. Ich bin sehr dankbar, dass ich in meinem Hauptjob die Möglichkeit habe, nebenberuflich selbstständig zu sein. Wobei ich gleich dazusagen muss: Wenn man die Zeit bewerten würde, wäre es eigentlich eher umgekehrt. Dann ist mein Secondhand-Geschäft mein Hauptjob und mein Angestelltenverhältnis eher der Nebenjob. Aber beides brauche ich, und beides ist für mich eine wichtige Säule in meinem Leben.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Noch einmal zu deiner Nebenberuflichkeit: Was ist die größte Herausforderung, nebenberuflich selbstständig zu sein? Was war leichter als gedacht? Du hast gerade gesagt, dass du dir in der Elternzeit gar nicht so viele Gedanken dazu gemacht hast. Was empfindest du jetzt in der Nebenberuflichkeit als deutlich schwerer als ursprünglich gedacht?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Leichter finde ich, dass ich auf alles, was ich tue, meinen eigenen Einfluss habe und diesen Einfluss auch ganz schnell sichtbar machen kann. Ich sage das immer an einem Beispiel: Wenn ich ein Regal nach links stellen möchte, dann stelle ich es nach links – und dann kann ich sehen: Funktioniert es oder funktioniert es nicht? Was für mich deutlich schwerer ist und was ich wirklich unterschätzt habe, ist das Zusammenspiel aus meiner Persönlichkeit, also der Nadja, die ich bin, und der wirtschaftlichen Nadja, also der Geschäftsfrau Nadja. Da den Spagat zu finden, auch eine persönliche Angriffsfläche zu haben und die abzugrenzen – zu sagen: Hier geht es um mein Geschäft und nicht um mich persönlich –, das ist eine Herausforderung, an die ich immer wieder komme. Aber ich glaube, ich habe dafür in den letzten Jahren ein gutes Bauchgefühl entwickelt.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Ich glaube, dieses Bauchgefühl ist notwendig. Wobei Unternehmerinnen und Unternehmer ja mit Leidenschaft bei der Sache sein sollen. Dann ist es natürlich fast schon normal, dass es einen wahnsinnigen Bestandteil im Leben einnimmt. Ich verstehe gut, was du sagst: Die Leidenschaft ist natürlich die, die einen manchmal vergessen lässt, dass man mit dem, was man tut, ja auch Geld verdienen muss.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Ja, definitiv. Da gebe ich dir recht.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Gibt es bestimmte Routinen in deinem Leben, wie du zwischen Hauptjob, Privatleben – das gibt es ja wahrscheinlich auch noch – und Nebenberuf klarkommst, sodass du nicht zwischen den Bereichen zerrieben wirst? Und wo liegen deiner Ansicht nach die Grenzen der nebenberuflichen Selbstständigkeit?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Ich glaube tatsächlich, dass ich keine Routinen in dem Sinne habe, sondern dass bei mir wirklich alles ineinandergreift. Ich kann sowohl mein Wissen, das ich mir in meinem Secondhandladen angeeignet habe, auch in meinem Beruf nutzen und umgekehrt. Natürlich ist es auch so, dass Kundinnen und Kunden zu Freundinnen und Freunden geworden sind. Damit verschwimmt irgendwie alles miteinander. Ich glaube, dass mir auch ein bisschen die Klarheit meines Mannes hilft, die persönliche Angriffsfläche zu wahren und zu beschützen.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Natürlich ist ein gutes familiäres oder partnerschaftliches Umfeld bei einer Selbstständigkeit immer ganz wichtig. Wer privat zusätzlich zu kämpfen hat, wird schwierige Situationen im Job nur schwer meistern können. Aus deinem Secondhand-Angebot heraus ist aber offenbar noch etwas Größeres entstanden: Du bist auch Gründerin des Netzwerks „Rundum Familie Hegau-Schwarzwald“. Wie kam es zu dieser Idee, und was ist das Netzwerk?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Ich bin in meiner Selbstständigkeit irgendwann an die Grenzen der Sichtbarkeit gekommen. Ich habe irgendwie alles versucht zu nutzen, bin aber nicht nach außen gekommen. Ich weiß nicht, ob das eine deutsche Tugend ist: Gemeckert wird gleich, aber wenn ich etwas toll finde, wird selten darüber geredet. Ich hatte das Glück, einmal in ein größeres Unternehmernetzwerk hineinzuschnuppern. Ich fand es toll, was da entstanden ist: dass es keinen Neid gab, keine Ellenbogen, kein „Ich bin der Schnellste, Größte und Tollste“, sondern ein tolles Miteinander. Das wollte ich auf einer kleineren Ebene entwickeln: miteinander lernen und voneinander lernen. Als ich dann in der Mutter-Kind-Kur war und ein bisschen Zeit hatte – auch Pause von meinem Kinder-Secondhand –, ist die Idee gekeimt. Daraus ist dann „Rundum Familie Hegau-Schwarzwald“ entstanden.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Wer gehört aktuell zu diesem Netzwerk? Was ist das für ein Netzwerk? Was für Unternehmen sind dabei? Wie findet ihr neue Netzwerkmitglieder? Und gibt es bestimmte Kriterien, nach denen ihr auswählt: Wer passt, wer passt nicht? Da bin ich gespannt.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Jetzt kommt erst einmal eine große Liste. Wir sind tatsächlich rund 20 Personen. Das fängt beim Kinderwunsch an: Wir haben eine Kinderwunsch-Coach bei uns im Team. Wir haben eine Hebamme, die Bindungsanalyse macht. Wir haben verschiedene Familienberaterinnen zu ganz unterschiedlichen Themen, zum Beispiel Stillen. Wir haben auch eine Stoffwindelberatung, eine Beckenbodenspezialistin, Atemtraining, eine Fotografin, eine Sängerin. Wir bieten Erste-Hilfe-Kurse speziell für Kinder an und die sogenannten Pflasterpiraten, was ich ganz toll finde. Dann haben wir ein ganz tolles Pärchen, das Camping am Bergsee bei Bräunlingen anbietet. Die haben Wohnmobile ausgebaut und bieten die Möglichkeit, Urlaub am See zu machen. Wir haben eine mobile Reiseberaterin. Wir bieten Yoga an, auch Yoga für Kinder, und musikalische Früherziehung. Das Ganze erstreckt sich von Tuttlingen über Immendingen, Gottmadingen, Engen, Bad Dürrheim, Rottweil, Villingen-Schwenningen [unsicher] – also, wie der Name schon sagt: Hegau-Schwarzwald.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Der Name sagt es ja schon: „Rundum Familie“. Wenn ich es richtig weiß, sind es alles Anbieterinnen und Anbieter, die bestimmte Leistungen für Familien anbieten. Ist das so richtig?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Richtig, genau.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Du hast vorher gesagt, dass Sichtbarkeit an Grenzen kommt. Wie macht ihr das Netzwerk jetzt gemeinsam sichtbar? Welche Rolle spielen Social Media, Instagram, persönliche Empfehlungen, gemeinsame Veranstaltungen, Kooperationen oder gemeinsame Auftritte vor Ort? Wie macht ihr das?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Wir haben ein gemeinsames Instagram-Profil, auf dem wir auch einen monatlichen Newsletter herausbringen. Dort kann jeder Anbieter seine Highlights für den nächsten Monat anbieten. Ich glaube aber, was für uns den größten Effekt hat, ist die gegenseitige Empfehlung im Gespräch. Wir lernen uns im Netzwerk sehr intensiv kennen – den einen mehr, den anderen weniger – und können dadurch viel gezieltere Empfehlungen aussprechen. Wir können sagen: „Hey, ich kenne da jemanden, der bietet dazu etwas an. Lass dich doch mal von dem beraten.“ Im Team kommen wir immer wieder zu dem Punkt: Ich kann jemanden nur wirklich empfehlen, wenn ich ihn tatsächlich kenne und mich mit ihm auseinandergesetzt habe.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Was ist der konkrete Nutzen für Eltern und Familien, wenn man auf die Kundenseite schaut? Was haben die Familien von eurem Netzwerk?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Wir haben erst in den letzten Tagen eine tolle Rückmeldung von einer jungen Frau bekommen, die gesagt hat: „Ich habe durch euer Netzwerk Dinge gefunden, die ich vorher nicht einmal annähernd auf dem Schirm hatte.“ Ich glaube, das ist das, was uns zusammenbringt: Wir sind eine zentrale Stelle für Familien, um unsichtbare Angebote sichtbar zu machen. Wir haben auch Anbieter, die Social Media nur ganz wenig nutzen. Die können wir mit unseren Empfehlungen sichtbarer machen und an Familien heranbringen, die sonst nie über diese Angebote informiert würden.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Das hört sich an, als mache auch die Bandbreite viel aus: dass man tatsächlich einen großen Blumenstrauß an Familienleistungen kennenlernt und dann auch nutzen kann. Wahrscheinlich spielt auch die Vertrauensebene eine Rolle: Wenn Nadja mir jemanden empfiehlt, dann muss der gut sein.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Genau. Wichtig ist, dass wir uns sehr intensiv kennenlernen und dadurch viel gezielter über das Angebot sprechen können. Ich finde das immer wieder beeindruckend, wenn wir uns treffen. Ich habe gerade von dem älteren Pärchen gesprochen, das Camping am Bergsee anbietet. Ich kenne die schon sehr, sehr lange, auch privat. Und jedes Mal, wenn wir uns treffen und über unser Business sprechen, erfahre ich wieder Dinge, die ich vorher nicht wusste. Das macht unser Netzwerk aus: der rege und aktive Austausch, um alles sichtbar zu machen.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Ich komme noch einmal auf die Kriterien zurück. Wen nehmt ihr in euer Netzwerk auf? Kann sich jeder, der sich im Umfeld Familie bewegt, bei dir melden und sagen: Ich möchte auch Netzwerkmitglied sein?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Wir freuen uns natürlich immer sehr über Bewerbungen. Ein Ausschlusskriterium ist für uns der Direktvertrieb. Das hat nichts damit zu tun, dass wir diese Produkte oder diese Art der Arbeit nicht haben wollen. Aber wir haben festgestellt, dass es gerade im Direktvertrieb für diese Mitarbeitenden schon ganz andere Netzwerke gibt. Wir wollen wirklich auf die Selbstständigen gehen, die kein Unternehmen im Hintergrund haben, das ihnen zum Beispiel Werbung schon vorab liefert, sondern die das wirklich selbst aufbauen möchten. Ansonsten: Selbstständig wäre ganz gut – oder einfach der Bock auf Austausch. Wir haben auch ein Mitglied, das mit seinem Business noch in den Kinderschuhen steckt, aber wirklich aktiv dabei ist, uns allen viel Feedback gibt und immer dabei ist. Auch sie ist für uns ein wichtiges Mitglied geworden.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Wir nehmen also mit: konzernunabhängig, kein großes Unternehmen im Hintergrund. Und es sollten individuelle Persönlichkeiten sein, die hier ihr eigenes Business pflegen. Und sehr gerne auch Männer, übrigens.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Sehr gerne auch Männer, genau.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Das ist eine Frage, die natürlich im Raum stand. In deiner Liste hast du sehr viel über Frauen gesprochen. Es dürften sich also auch Männer melden – oder Pärchen?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Ja, genau. Wir haben im Moment tatsächlich nur einen Mann. Aber wir sind auf jeden Fall offen dafür, Männer in unser Netzwerk aufzunehmen. Also: gerne bewerben.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Was du gerade beschrieben hast, ist Unternehmertum. Da spielt es eigentlich keine Rolle, ob nebenberuflich oder hauptberuflich, ob man ein großes Startup aufbaut und hochskaliert oder ein klassisches Gewerbe betreibt. Was hast du in deiner Funktion als Unternehmerin gelernt, was du vorher vielleicht unterschätzt hast? Und was würdest du jemandem sagen – vielleicht auch in deinem Netzwerk –, der eine Idee hat, aber sich nicht wirklich traut, nebenberuflich zu gründen?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Was ich auf jeden Fall unterschätzt habe, ist, dass mein Bauchgefühl immer recht hat. Einfach immer. Ich habe in der Zeit, in der ich selbstständig bin, sehr viel über mein Bauchgefühl gelernt. Ein großer Punkt ist außerdem der persönliche Druck, den man sich selbst macht. Das erfahre ich auch immer wieder im Netzwerk: Wir haben einen enormen Leistungsdruck an uns selbst. Das ist im Unternehmertum nicht zu unterschätzen. Umso wichtiger finde ich – und da kommen wir zu deiner zweiten Frage –, jemandem, der sich nebenberuflich selbstständig machen möchte, zu sagen: Nimm Unterstützung von außen an. Geh vielleicht auch einmal dahin, nach Unterstützung zu fragen. Unterstützung muss nicht immer heißen, dass jemand kostenlos etwas für mich tut. Unterstützung kann auch bedeuten, gemeinsam zu arbeiten, so wie wir das im Netzwerk machen. Ich mache das auch mit Unternehmen außerhalb meines Netzwerks: Ich habe Kooperationen gestartet, weil ich merke, dass es gemeinsam einfacher geht. Zum Beispiel habe ich eine tolle Kooperation mit einem Secondhand in Donaueschingen, einem Erwachsenen-Secondhand. Da gibt es einen tollen Austausch. Wenn man selbstständig ist, darf man sich nicht im stillen Kämmerchen verkriechen und denken: Ich schaffe das alles allein. Man darf offen sein und miteinander arbeiten.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Du hast über Bauchgefühl gesprochen und über den Leistungsdruck, den es natürlich immer wieder gibt. Auf der anderen Seite steht das besonders Schöne am Unternehmertum: dass man Verantwortung übernimmt für das, was man tut. Man wacht morgens mit seiner Selbstständigkeit auf und geht abends mit ihr ins Bett. Man muss nicht permanent arbeiten, aber trotzdem hat man Verantwortung für das, was man tut. Die nächste Frage, die sich daran anschließt: Wie wichtig ist dir der wirtschaftliche Erfolg im Verhältnis zu persönlicher Erfüllung? Nachhaltigkeit haben wir schon besprochen, regionaler Nutzen ist sicher auch gegeben. Aber oft ist es ja ein Zwiespalt zwischen Wirtschaftlichkeit und persönlicher Erfüllung. Wie ist das bei dir?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich natürlich wirtschaftlichen Erfolg haben möchte. Ich glaube, es wäre gelogen, wenn man das nach hinten schieben würde. Trotzdem sehe ich ganz klar die persönliche Erfüllung. Ich sage oft ein Beispiel: Wenn mich jemand fragt, warum ich das eigentlich alles mache und warum ich mir damit auch so einen Druck mache, dann ist das für mich eine Art Ausgleich. Andere gehen vielleicht joggen oder in die Tennishalle. Ich gehe in meinen Laden. In meinem Laden bin ich in einer anderen Welt. Da bin ich für mich, da bin ich selbstbestimmt. Natürlich muss ich mich an Regeln und Gesetze halten, gar keine Frage. Aber da steckt so viel Persönlichkeit drin. Ich glaube, das kann jeder Selbstständige bestätigen: Man muss die Leidenschaft dafür haben, um auch Monate zu überbrücken, die wirtschaftlich vielleicht nicht ganz so rosig sind. Die gibt es bei jedem Selbstständigen – vor allem, wenn man eine Ich-AG oder ein Ein-Mann-/Ein-Frau-Betrieb ist.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Da ganz besonders, weil alles von der eigenen Lebenssituation abhängt. Gibt es Fähigkeiten, die du in der Selbstständigkeit entwickelt hast und die dir jetzt vielleicht auch in ganz anderen Bereichen helfen? Kannst du privat besser mit Geld umgehen, bist du zielstrebiger – oder gibt es da etwas?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: So konkret kann ich das gar nicht beantworten. Ich glaube, was sich dadurch entwickelt hat, ist dieses „Einfach machen“: gar nicht so viel darüber nachdenken, sondern es einfach probieren und dann schauen, was passiert. Ich habe mir in der Selbstständigkeit so viele Dinge selbst beigebracht – zum Beispiel, wie Social Media funktioniert. Da bin ich noch wirklich an der Spitze und noch nicht tief in das Thema eingestiegen. Aber sich damit zu beschäftigen, ist etwas, das man auch im Berufsleben weiter nutzen kann. Ich bin froh, dass ich einen Arbeitgeber habe, der diese Dinge unterstützt und mit dabei ist.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Das ist natürlich der Optimalzustand. Gibt es etwas, auf das du besonders stolz bist, was du in deiner Selbstständigkeit erreicht hast?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Ja, tatsächlich. Ich habe für mich drei Punkte, auf die ich sehr stolz bin. Zum einen: was ich alles gelernt habe – auch den Mut zu haben, salopp gesagt, Klinken zu putzen. Wenn ich mir überlege, dass ich vor vier Jahren in einen Laden gegangen wäre und gesagt hätte: „Hey, hast du Lust, mit mir etwas zusammen zu machen?“ – das hätte ich mich nie getraut. Darauf bin ich stolz: dass ich aus meiner Komfortzone herausgekommen bin. Dann bin ich stolz, dass mein Laden den Umzug überstanden hat. Ich bin ja mit meinem Laden von Geisingen nach Immendingen gezogen. Dass die Kundschaft mitgekommen ist und neue Kundinnen und Kunden dazugekommen sind, zeigt mir: Mein Angebot wird wahrgenommen, und ich werde wahrgenommen – auch auf Social Media. Das macht mich sehr stolz. Außerdem bin ich immer wieder stolz auf den Hintergrund, den ich habe: meine Freunde, meine Familie, die mich und meinen Laden mittragen. Meine Mama ist ganz viel da und kümmert sich um die Kinder. Mein Mann arbeitet ganz viel im Hintergrund für mich mit. Wir arbeiten so toll zusammen. Das macht mich immer wieder dankbar – und das sagt man vielleicht tatsächlich zu selten –, dass ich das so machen kann. Also: danke.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Da bleibt gar nicht viel anzufügen. Du hast die wichtigsten Punkte genannt. Bezeichnend fand ich dieses „Klinkenputzen“, also das Rausgehen aus der Komfortzone. Ich glaube, das muss jeder lernen, der erfolgreich selbstständig sein will. Wer sich nur innerhalb seiner Komfortzone bewegt, wird es schwer haben. Wir haben jetzt eine ganze Menge über dich, über deinen Laden und über dein Netzwerk gesprochen. Zum Abschluss: Wie kann man Kontakt zu dir aufnehmen? Und wo findet man deinen Laden? Du hast schon Immendingen gesagt, aber vielleicht noch eine Adresse oder Internetadresse, damit die Hörerinnen und Hörer tatsächlich nachsehen können.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Mein Laden ist in der Schreckensteinstraße 22 in Immendingen – klingt schlimmer, als es ist. Dort ist mein Ladengeschäft. Dann gibt es natürlich die Möglichkeit, über WhatsApp mit mir Kontakt aufzunehmen. Die Kontaktdaten findet man zum Beispiel auf meinem Google-Profil oder auch auf meinem Instagram-Profil. Das heißt: nannis_zweite_reise_kinder_secondhand.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Wunderbar, ich glaube, das findet man. Und jetzt noch: Wie kann man Mitglied in deinem Netzwerk werden? Wenn Interessierte zugehört haben, wie können sie Kontakt aufnehmen?

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Am besten schreibt ihr mir einfach eine Direktnachricht. Das könnt ihr gerne auf meinen sonstigen Kanälen machen, also zum Beispiel über WhatsApp oder Instagram. Schreibt mir eine kurze Nachricht, worum es geht, was du machst und wer du bist. Dann erzähle ich dir gerne alles Weitere.

Founder Talks - Holger Hagenlocher: Vielen Dank, Nadja. Das war ein wirklich interessantes und auch unterhaltsames Gespräch mit dir. Ich wünsche dir ganz viel Glück, dass das alles so weiterläuft, wie es sich jetzt schon angedeutet hat.

Vielen Dank und bis bald wieder.

Nadja Seßler - Nanni’s zweite Reise: Danke, Holger.

Outro: Founder Talks – der Podcast zu den Themen Startup, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge und Innovation.